Turboengel mit Gefolge - Rita Heß

Es ist bereits über 10 Jahre her, ich war damals mit meinem Partner und 2 Pferden an einem Sonntag und zum Ferienende unterwegs.

Nach 10 Stunden Autofahrt verließen wir wegen eines Staus bei Heilbronn die Autobahn. Kurz darauf hatten wir einen platten Reifen am Pferdeanhänger. Es waren immer noch ca. 100 km bis nach Hause. Wir warteten über 2 Stunden auf den ADAC, doch niemand kam. Nachdem uns die gelben Engel im Stich gelassen hatten, kamen nun die wahren Engel zum Einsatz.


Wir fuhren mit plattem Reifen langsam weiter, um eine Tankstelle zu suchen - ohne zu wissen, wie weit die nächste Tankstelle entfernt sein würde. Das Wochenende hatte schon einiges an Herausforderungen geboten, so war dies der krönende Abschluss. Die Nerven lagen bereits blank, als ich im Außenspiegel den zeitweiligen Funkenflug der Felge beobachten konnte. Meine Ängste versetzten mich total in Panik. In einem lichten Moment bat ich darum, dass an dieser Straße schnell eine Tankstelle kommt und wir diese heil erreichen. Es war eine gefühlte Ewigkeit, doch da tauchte tatsächlich eine Tankstelle auf!


In der Zwischenzeit war es bereits dunkel. Ich saß alleine auf der Beifahrerseite im LKW. Ohne eine Vorstellung davon zu haben, wie die Hilfe aussehen könnte, bat ich aus tiefstem Herzen um Hilfe. Ich war diese Bitte mit all meinem Sein, mit jeder Faser meines Körpers. Augenblicklich hupte es.


Im ersten Moment wusste ich gar nicht, wo und warum es gehupt hatte. Bis ich auf der Fahrerseite das Fenster öffnete und sah, dass ein Auto mit geöffneter Scheibe und laufendem Motor neben dem LKW stand. Die Fahrerin rief mir zu: „Sie haben Pferde auf dem Hänger, brauchen Sie Hilfe?“ Wow - ich hatte das Gefühl ich träume - ich konnte es kaum glauben. Ich schilderte ihr die Situation und fragte sie nach einem Reiterhof. Doch einen Reiterhof in der Nähe gab es nicht. Sie rief mir einen Namen zu mit der Aussage: „Da können Sie zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen, die helfen immer.“ Sicherheitshalber wiederholte ich den Namen. Sie wünschte mir viel Glück. Und so schnell wie sie aufgetaucht war, so schnell verschwand sie auch wieder in der Dunkelheit. Noch immer staunend saß ich im LKW und konnte es kaum fassen wie prompt die Hilfe eintraf. Zitternd notierte ich den Namen mit einem leichten Unbehagen, hoffentlich hatte ich ihn auch richtig verstanden. In der Tankstelle erhielt ich tatsächlich die Telefonnummer dazu. In der Zwischenzeit war es bereits nach 22 Uhr. Doch ein Mann meldete sich am Telefon. Er sagte: „Meine Frauen liegen schon im Bett, die waren heute beim Turnier. Haben Sie noch ein wenig Geduld, ich schicke sie gleich los.“ Geduld und Gelassenheit waren eh das große Thema an diesem Wochenende. Gegen ca. 23 Uhr kamen dann zwei Frauen mit Pferdeanhänger, den sie uns freundlicherweise überließen, damit wir heimfahren konnten. Zudem halfen sie, die Pferde im Dunkeln umzuladen, was auch nicht so ganz einfach war. Und so konnten wir kurz nach 24 Uhr die Heimreise fortsetzen.

Dies war mein wundervollstes Erlebnis mit Engeln.

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