Theaterprojekt „Zur Zeit“

„Zur Zeit“ hieß ein Theaterprojekt, das im Dezember in Bad Segeberg mehrfach aufgeführt wurde. Über 1 Jahr lang hatten die Mitwirkenden im Alter von 8 – 78 Jahren (darunter auch Mitglieder der Parkinson-Theatergruppe „Grenzgänger) daran gearbeitet, gegebene Texte und Szenen sowie eigene Gedanken in ausdrucksstarken Sequenzen auf die Bühne zu bringen. Vor dem Hintergrund zerfließender Uhren oder regelmäßig laut schlagender Metronome, entstanden bunte, teilweise skurrile Szenen über Themen wie Eigenzeit, Muße oder die dehnbare Zeit.
Regisseur und Theaterpädagoge Thomas Minnerop: „
Mich hat interessiert, was Menschen in den verschiedenen Lebensphasen für Empfindungen und Gedanken zum Thema Zeit haben, aber auch, wie unterschiedlich der Umgang mit der Zeit in diesen Phasen ist.“

Wir fragten: Was war für die Mitwirkenden dieses großartigen Projekts im Rückblick wichtig?
Thomas Minnerop
: „Am bewegendsten war für mich, dass die Menschen mit dem Morbus Parkinson und deren Angehörigen während der Arbeit diese Krankheit vergessen können. Ich fand es schön zu erleben, wie „alle“ Beteiligten damit umgegangen sind und glaube, dass alle Mitwirkenden von diesem Projekt profitiert haben in Bezug auf Toleranz und Respekt im Umgang miteinander“ Und für sich selbst: „Ich möchte meine freie Zeit genießen und in der freien Zeit nicht an berufliche Dinge denken und alles langsamer angehen.“

Amy Hubach , 17 Jahre: „Mich hat beeindruckt, wie viel Zeit wir uns tatsächlich lassen konnten, um uns mit der Zeit beschäftigen zu können. Dafür waren die Proben wie ein Stück gewonnene Zeit, denn die Beschäftigung mit dem Thema hat mich immer sehr bereichert. Ich überlege jetzt viel öfter, wie schnell oder langsam die Zeit für andere Menschen verlaufen mag. Denn Zeit ist doch im Wesentlichen nur ein Konstrukt des Menschen, ist also dehnbar und bezieht sich auf die eigene Wahrnehmung eines jeden Menschen. Das unterschiedliche Alter war wahrscheinlich das Beste, was unserem Stück passieren konnte: es ist ein Beweis dafür, dass jeder von jedem noch etwas lernen kann – egal in welchem Alter. Ich sehe die Zeit jetzt nicht mehr so knapp, wie sie vorher war. Man muss die Zeit eben sinnvoll nutzen.“

Sonja Strauch, 38 Jahre: „Es hat ein paar Nerven gekostet mit so einem bunt gemischten Ensemble zu arbeiten:). Ich fand es sehr produktiv und die verschiedenen Altersgruppen haben automatisch und aus sich heraus das Thema gestützt. Jemand mit 80 Jahren kann sich seinen Text eben etwas langsamer merken, als jemand mit acht Jahren. Aber genau das ist eben die Eigenzeit, die jeder einzelne von uns mitbrachte und die es zu akzeptieren und kreativ umzusetzen hieß. Die Zeit bekam für mich keine andere Bedeutung, aber für das Zeitempfinden der anderen wurde ich sensibilisiert.

Elke Ferch, 78 Jahre: „Durch das Zusammenarbeiten und den Stress der Proben und Aufführungen entstand Rücksichtnahme und gegenseitige Hilfe, fast Fürsorge, die anzunehmen ich gelernt habe. Bei mir ist auch wieder mehr Verständnis für die "Flippigkeit" der Jugendlichen aufgekommen und ein bisschen Mut, es auch noch einmal zu wagen. Dadurch wurden auch z.T. bestehende Berührungsängste im Alltag abgebaut. Meine liebste und für meinen stressreichen Alltag wichtigste Erfahrung aus der Arbeit an der Zeit ist das Bewusstmachen der Bedeutung der "Eigenzeit", was sich durch die stete Wiederholung meines Satzes während der vielen Proben und Aufführungen vertiefen konnte: Man kennt sich selbst erst dann, wenn man weiß, welche Zeit man braucht.“

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am 03.05.2019