LS011 S008Wenn du es eilig hast, so mach eine Pause
von Stefanie Geske und Klaus von Bröckel

Hastig räume ich den Frühstückstisch zusammen. Dabei gehen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Ob die Kunden wohl mit meiner Repräsentation zufrieden sein werden? Ist mein Outfit angemessen?
Reicht das halbe Kilo Kartoff eln für die abendlich angedachten Kartoff elpuff er? usw. usw. usw. Dabei jongliere ich auf dem Frühstückstablett die Marmelade und meinen Teebecher Richtung Küche. „Oh, nein“ mein Aufschrei begleitet den Sturz des Bechers Richtung Küchenfliesen. „Nicht das auch noch“ fährt es mir durch den Kopf. Genervt fege ich schnell die Scherben zusammen, mit einem Auge auf die Uhr blickend. „Au“ ist mein nächster Schrei, als ich beim Aufstehen mit dem Kopf gegen die offene Tür des Küchenschrankes stoße. „Läuft denn heute alles schief?“ schießt es mir durch den Kopf. Dabei fällt mein Blick auf den Buddha, der mich seit Urzeiten begleitet und hier in der Flurecke seinen Platz gefunden hat. Normalerweise blickt er stoisch. Jetzt lächelt er mich an, als wollte er sagen: „Siehste, hab ich doch gesagt: Wenn du es eilig hast, so mach eine Pause“. Immer hab ich mich gefragt, wie das denn gehen soll: eine Pause machen, wenn ich es eilig habe. Nun schießt mir plötzlich die Erkenntnis in den Kopf. Den Buddha darf ich nicht wörtlich nehmen.

„Sei achtsam“ meint er. „Lass dich nicht durch deine Gedanken drängen“. „Tue das, was du gerade tust“ und noch einmal „sei achtsam auch mit dir selber“.
Ich schaue ihn an. Nun blickt er wieder stoisch und weise. Ich nehme drei tiefe Atemzüge. Von irgendwoher durchfließt mich unendliches Vertrauen. Vertrauen in das Universum, oder wie immer ich das bezeichnen soll und in mich selbst. Ich nehme noch ein paar tiefe Atemzüge, ein Lächeln zeichnet sich langsam auf meinem Gesicht ab. Mit dem Zuschnappen der Haustür öffnet sich mein Regenschirm.
Ich beschließe den Umweg durch den kleinen Park zu nehmen, die Bäume zu genießen, getreu den Worten meines Buddhas: „Wenn du es eilig hast, so mach eine halbe Stunde Pause und wenn du es sehr eilig hast, so mach eine Stunde Pause“.
Ich fühle und weiß: Heute kann 
mich nichts mehr erschüttern.

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