Frei-willig von Nuriama Lichterstein

Wie beglückend ist es, wenn ich etwas tue, was ich wirklich tun will - frei gewählt und frei-willig. Die Redaktion der LichtSeiten ist sowas, seit 3 ½ Jahren geht ein nicht unerheblicher Teil meiner Liebe, meiner Kraft und meiner Zeit dorthin.

Ich liebe es, im Team zu arbeiten und dies ist ein besonderes Team. Denn hier geht es nicht nur darum, eine Zeitung zu erstellen (Beiträge schreiben und sichten, Anzeigen sammeln, Gestaltung, Verteilung), sondern mindestens genauso darum, ein „Miteinander in Freiheit“ zu leben.
Dabei war ich anfangs schon ein wenig skeptisch angesichts der Radikalität: offenes Redaktionsteam mit gewünscht wechselnder Besetzung, in der jede*r das und so viel einbringt, was er/sie kann oder gerade mag. Ob so eine regelmäßige Zeitung zu machen ist? Ja, tatsächlich und ich stelle fest, dass ich mich im Laufe der Jahre immer mehr entspannen kann. Ich lasse dem Leben seinen eigenen Lauf - - - und lerne, was dafür wichtig ist:

Keine Abhängigkeiten, keine Hierarchien
Eine Basis ist die Entscheidung, ganz konsequent das Geld auf die Rolle der Projektfinanzierung zu reduzieren. Keiner verdient etwas an der Mitarbeit. „Aber da verfährt jemand so viel Benzin beim Verteilen“ – „Nein, es sollen keinerlei Abhängigkeiten entstehen, nur so bleiben wir alle frei“. Angelika war und ist an der Stelle unerbittlich – und das ist gut so! Jede*r bringt ein, was er/sie kann und will, ob das Autokilometer, Artikel oder die Anwesenheit bei Redaktionssitzungen sind. Alles ist gleich wichtig, denn alles trägt zum Gelingen dieses Projektes bei: Eine Zeitung, die das Gute in uns berührt und nährt!

Loslassen und Vertrauen
Das Thema der Ausgabe ist „Liebe“ und ich habe einen langen Artikel über meine verstorbene Freundin geschrieben. Schon beim ersten Rumschicken kommt die Reaktion: „viel zu lang“ und „kommt nicht rüber“. Ich versuche, an einigen Stellen zu verbessern, dann lese ich ihn auf einer Redaktionssitzung vor - spürbares Desinteresse. Hmm. Das tut erstmal weh, berührt alte Erfahrungen wie „Ich werde nicht verstanden“. Doch ich weiß auch, dass mir hier keiner persönliche Ablehnung signalisieren will und lasse es erstmal ruhen. 14 Tage später kommt mir eine Idee: Ich nehme nur einen Abschnitt aus dem Artikel, schreibe etwas Neues dazu – und plötzlich ist ein schöner berührender Beitrag entstanden!

Festlegungen aufgeben und sich öffnen
Das Titelbild ist immer wie eine Zusammenfassung des Themas unserer Zeitung. Und sehr oft war es einer der schwierigsten Prozesse während der Erstellung einer Ausgabe, uns gemeinsam für ein Bild zu entscheiden. Keine/r will oder soll sich verbiegen – aber wie sich auf gute Art einigen? Aus den vielen Vorschlägen für das Engel-Heft bleiben die zwei mit den meisten Nennungen nach. Eins in blau, eins in golden. Mir gefallen beide sehr gut, Rainer ist strikt gegen das blaue. Diesmal gibt es einen Mehrheitsentscheid (für das goldene), einmal wurde auch gelost. Wir haben gelernt, uns Zeit zu lassen und nicht mehr zu kämpfen. Denn jede/r weiß inzwischen, dass es auch wieder ein neues Heft geben wird, wenn einem ein Titelbild mal nicht so ganz gefällt.

Freisein zu kommen und zu gehen
Zu Beginn dieser Ausgabe „Freiheit“ stellt Nicola fest, dass ihre Energie nach der Mitarbeit an 9 Ausgaben jetzt offenbar woandershin möchte. Das gesamte Team ermutigt sie, sich die Freiheit zu nehmen, dem zu folgen. Sie wird herzlich verabschiedet und ich wundere mich einen Moment lang darüber, dass ich (und offenbar auch kein*e andere) mich nicht verlassen fühle. Im Gegenteil, es fühlt sich stimmig an, dass sie geht. Ich glaube, dieses Projekt funktioniert nur, wenn keine*r sich verpflichtet fühlt, sondern alle im wahrsten Sinne des Wortes frei-willig dabei sind. Dann fließt es. Bei fast jeder Ausgabe verändert sich die Zusammensetzung der Redaktion, in den 3 ½ Jahren haben bereits 25 Menschen kürzer oder länger im Redaktionsteam mitgearbeitet und ihre Energie eingebracht. Und doch wurde es nie zum wuseligen Hühnerstall! Es ist sehr spannend, sich immer wieder neu zu öffnen!

Freiheit hat nichts mit Unverbindlichkeit zu tun
- im Gegenteil, wir alle geben in aller Freiheit das Beste, was in diesem Augenblick möglich ist. Nicht mehr und nicht weniger. Und sollte das irgendwann nicht mehr ausreichen, um die Zeitung zu erstellen, sind wir ganz frei, das LichtSeiten-Projekt auch wieder zu beenden. Dieses Bewusstsein gibt mir persönlich ein sehr gutes Gefühl und auch immer wieder die Lust, mich voll einzubringen.

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