Wer loslässt hat beide Hände FREI! oder

Die Sehnsucht nach Freiheit!

Auf der Suche nach einer Geburtstagskarte stieß ich in einem Supermarkt völlig unverhofft auf eine bunte Postkarte.

Auf der Karte war eine junge Frau von hinten zu sehen, die ihre Arme weit in den Himmel öffnet und dabei inmitten einer sommerlichen Blumenwiese steht.

Darüber stand geschrieben:

„Wer löslässt - hat beide Hände frei !“

Sofort klingelte es bei mir! Das war ein Spruch, der mich in diesem Moment unmittelbar anrührte.

Ja, Frei-Sein, Freiheit, Selbstverwirklichung, ist für mich schon immer ein großes Thema gewesen.

Freiheit, das bedeutet:

Freiheit – Unabhängigkeit

Freiheit – Selbstbestimmung

Freiheit – Kreativ sein dürfen

Freiheit – keinen gesellschaftlichen Zwängen unterliegen

Ja -!

Ich wußte schon früh, dass es mich in die Welt hinauszog und mir war schon immer klar, dass ich tanzen würde, schon als kleines Kind war ich so lebendig.

Als ich ein Jahr vor dem Abitur meine große Liebe kennenlernte, und er mich fragte: „Was wird denn aus uns, wenn du zum Tanzstudium nach Amsterdam gehst?“, da war mein Weg klar und vorgezeichnet: es kam überhaupt nicht in meinem Bewußtseinshorizont vor, mit meinen18 Jahren, für Jemandem oder wegen Irgendetwas auf der Welt das Tanzen aufzugeben. Abstriche zu machen, Kompromisse zu schliessen oder mich räumlich zu begrenzen, kam mir einfach nicht in den Sinn.

Aber was war eigentlich diese Sehnsucht nach Freiheit? War es das Sich-Freistrampeln aus der Enge der Herkunftsfamilie, der Schule, der Stadt in der man aufgewachsen war oder die Flucht vor der Vergangenheit? War es nicht vielmehr die Suche nach etwas, das man in der Freiheit zu finden hoffte?

Ist die Sehnsucht nach Freiheit nicht in Wahrheit die Sehnsucht nach Erfüllung, Ganz-Sein, und - Einheit?

Joni Mitchell, die wundervolle Folksängerin, hat in ihrem Debutalbum 1967 – meinem Geburtsjahr – folgende Textzeile in ihrem Lied „Cactus Tree“ geschrieben:

„She´s so busy being free“

Sinngemäß übersetzt: „Sie ist so damit beschäftigt, frei zu sein“

Heute weiß ich, dass ICH dieses Mädchen aus dem Joni Mitchell Song gewesen bin!

Heute muss ich aber nicht mehr weit reisen, um „frei“ zu sein, denn im Tanz habe ich mich selbst gefunden. Im Tanz bin ich eins mit mir und gleichzeitig eins mit dem Universum. Ich bin im Fluss – im „flow“. - Ein Zustand, in dem auch Kinder sind, wenn sie ganz in einer Tätigkeit aufgehen und die Welt um sich herum vergessen.

Über das Tanzen zur Tanztherapie gefunden zu haben, brachte Ruhe und Selbstreflektion in mein Leben. Mich im Tanz selber ausdrücken zu können mit all meinen Gefühlen, Sehnsüchten, Wut und Schmerz war sehr heilsam für mich.

Auch wenn ich damals darüber einen geliebten Menschen vergessen habe, so ist doch die Überzeugung da, alles richtig gemacht zu haben, und meinen Weg zur Tanztherapeutin gegangen zu sein.

Der Tanz ist flüchtig, er lebt nur in diesem einen Augenblick.

Wir können im Leben nichts festhalten, auch wenn wir es immer und immer wieder versuchen. Und wenn wir loslassen, haben wir beide Hände frei . . .

Ich bin im Fluss

Ich bin in mir

Ich bin verbunden mit der universellen Liebe

mit der geistigen Welt

mit der starken Kraft in mir

und mit der Sehnsucht nach

der Einheit

Margitta Maria Kröner