Was bedeutet Freiheit?

Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch, der sich momentan aus genau diesem eingeengten Gefühl einer begrenzten Paarbeziehung heraus löst. Aber ist damit die große Freiheit in Sicht? Endlich tun und lassen können, was ich möchte und wann ich möchte, keine Rücksicht mehr nehmen müssen, keine schwierigen Absprachen wg. des täglichen Mittagessens, kein Rücken-kraulen, wenn ich keine Lust dazu habe und keine langweiligen Monologe über die „ach-so-unfähigen-Kollegen-und-Chefs“. Es hört sich fürs erste schon ein bisschen nach Freiheit an. Aber zur Arbeit werde ich trotzdem weiter gehen, ebenso meinen Haushalt führen und mich auch weiterhin liebevoll um den Hund kümmern. Es scheint also erstmal nur ein kleines Stück Freiheit zu sein, aber vor allem findet diese Freiheit nur im Außen statt!

Die Freiheit im Inneren scheint mir doch aber eher der Schlüssel zur wahren Freiheit zu sein. Aber wie kann ich diese innere Freiheit erlangen? Obwohl ich mir als Erwachsene natürlich schon meine eigenen Gedanken über „erlerntes Gedankengut“ gemacht habe, bin ich nicht frei von Aussagen und Überzeugungen meiner Eltern, Großeltern, Kindergärtnern und Lehrern. Ich entdecke sogar manchmal Verhaltensweisen an mir, die ich von Verwandten unbewusst übernommen habe, z.B. immer einen Riesenvorrat an Toilettenpapier im Haus zu haben. Das ist mir selber nie aufgefallen, bis meine Cousine mich daraufhin ansprach, dass Oma doch auch immer sehr gut bevorratet war. In diesem Moment lachten wir Beide und fanden es wirklich lustig, aber im Nachhinein dachte ich nochmal darüber nach, was ich wohl sonst noch so mit übernommen hatte. Vielleicht sogar Omas schlechte Grundeinstellung Männern und Partnerschaften gegenüber? Das würde auf jeden Fall meine Beziehungs- und -Trennungsquote erklären. Aber wie kann ich mir nach dieser Erkenntnis nun selber in meine geistige Freiheit verhelfen? Ich beschloss, meine Gedanken und meine Einstellung (vor allem zu mir selbst und zu meinem Leben) zu beobachten. Ich überprüfe dabei, ob sich die Gedanken noch stimmig anfühlen und ob es überhaupt meine eigenen sind. Ich bin teilweise regelrecht erschrocken darüber, was es wirklich in mir denkt. Über die kleinen Beleidigungen hier und da, sowie böse, selbst-verurteilende Gedanken bis zu „du-kriegst-dein-Leben-eh-nie-in-den-Griff, du-schaffst-das-nicht, du-bist-nicht-gut-genug“-Einstellungen ist die gesamte Negativ-Palette dabei.

Nachdem ich einigen meiner Gedanken auf den Grund gegangen war, stellte sich heraus, dass nicht wirklich viel davon mein eigenes Gedankengut war und ist. Ich konnte Verbindungen zu unterschiedlichsten Verwandten herstellen, die irgendwann mal irgendwas zu mir gesagt hatten. Es war ein spannender Einstieg in die Selbsterkenntnis und es bleibt auch weiterhin spannend. Es fühlt sich für mich richtig und stimmig an, die Begrenzungen der fremdauferlegten Gedanken und Ängste anderer auf zu lösen und sich somit zum einen selbst wieder näher zu kommen und zum anderen in die wahre Freiheit zu gelangen.

Mia Mari Heisterkamp

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Wandel
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am 31.07.2019