Kreatives ChaosKreatives Chaos von Margitta Maria Kröner

Wer kennt das nicht:
Der Schreibtisch quillt über, rechts und links stapeln sich die alten Zeitungen, vorne und hinten wird der Platz im Raum immer enger weil sich einfach immer wieder etwas ansammelt. Bei mir sind es neben dem üblichen Papierkram oft die Flyer die sich bei mir stapeln. Irgendwann aber nimmt das Chaos überhand und ich und mein Schreibtisch drohen darin unterzugehen.


In meinem alten Kinderspielzimmer war es schon ähnlich:

Ich und meine beiden jüngeren Geschwister spielten stundenlang mit unseren zahlreichen Spielsachen, aber Ordnung herrschte dort eigentlich nie.

Das Schöne daran war, dass wir uns in unserem “Spielzimmer“ – wie wir es nannten- frei entfalten konnten: Es war kein Kinderzimmer im herkömmlichen Sinne, sondern ein 30qm großer Raum mit Ballettstange und riesiger Tafelwand im Souterrain unseres Einfamilienhauses. Wir haben uns Spiele ausgedacht, wir haben aus Kissen Boote, und aus den Schränken Sprungschanzen gebaut. Wir sind auf die davor gelegten Matrazen gerutscht und gesprungen und haben uns in diesem Zimmer ausgetobt. Unsere Schulfreunde und die Nachbarskinder kamen immer gerne zu uns nach Hause. Ja bei uns durfte man einfach Unordnung machen und es war immer etwas los. Wir konnten uns nach Lust und Laune frei-spielen und haben einfach miteinander improvisiert. Wir dachten uns kleine Szenen und Theaterstücke aus und hatten sehr viel Spaß dabei einfach alles auszuobieren was uns dazu in den Sinn kam.


Das Größte überhaupt war unsere “Schatzkiste“- ein alter verstaubter Überseekoffer – der auf unserem Dachboden lag. Im alten Teil unseres neu angebauten Eigenheim-Bungalows, existierte noch eine ganze abgeschlossene Wohnung auf der ersten Etage. Über eine schmale rote Holztreppe gelangte man nach oben. Das kleine alte Vorderhaus stand leer. Meine Mutter packte alles nach oben, was nicht mehr gebraucht wurde: Alte Gardinen, jede Menge Kleidung und alte Hüte. Es war für uns das reinste Paradies. Wir wühlten in den Klamotten und spielten selbstvergessen und mit großer Leidenschaft “Verkleiden“. Wohlweißlich, dass wir da oben ja eigentlich nichts zu suchen hatten! Es wurde uns strengstens verboten dort herum zu springen, denn der alte Teil des Gebäudes war baufällig und wurde erst Jahrzehnte später ausgebaut. Der Reiz des Verbotenen spielte für uns Kinder natürlich auch ein Rolle!

Aus diesem CHAOS ist also immer etwas Neues entstanden: Wir hatten wirklich kreative Ideen, die wir in unseren Rollenspielen miteinander umgesetzt haben: Als Zirkusdirektor mit wilden Tieren, als Schiffbrüchige die zu einer Insel rudern, oder bei uns im Ruhrgebiet natürlich das Highlight:

Der Karneval! Dann gingen wir als Indianerin oder Zigeunerin, als Pipi langstrumpf

oder Bettler und sehr beliebt: als “dumme Augustine“!


Also was war es nun, das uns als Kinder so kreativ hat werden lassen? War es die Freiheit und Unbeschwertheit? Oder dass wir wenig Verbote kannten? Sicherlich war es auch der Einfluß meiner Mutter, die zur damaligen Zeit eine eigene Töpferwerkstatt hatte, tanzte und Theater spielte und uns allen das kreative Gen weitervererbt hat!

Die Kreativität sollte mich auf meinem weiteren Lebensweg begleiten: Tanzen, Musizieren, Singen und - das Schreiben:

Mit 15 Jahren begann ich, aus den Tagebuchaufzeichnungen heraus, und durch die Begegnung mit meinem Freund, der eine sehr poetische Ader hatte, meine ersten Gedichte zu schreiben.

Ich bin für diese wilde Phase in meiner Kinderzeit sehr dankbar! Irgendwie ist sie eine sprudelnde Quelle aus der immer noch schöpfen kann, wenn ich mich daran erinnere. . . . Ich besitze heute noch den original echten dunkelblauen Hippie-Schlapphut meiner Mutter und meine jüngste Schwester spielt immer noch mit Puppen – in ihrem eigenen Figurentheater in Berlin!

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und Anzeigenschluß
am 31.07.2019