Wandel auch durch menschenwürdige Bildung von Horst Költze

Der Wandel im Bildungssektor wird besonders deutlich, wenn wir einige Grundelemente der Schulbildung in den Blick nehmen.

Dazu gehören z. B. der Bildungsansatz, das Bildungsziel, der Lehrplan, der Qualitätsmaßstab und das Bildungsfundament.

Zur veralteten Schulbildung
Das Wesensmerkmal der veralteten Schulbildung ist der Bildungsansatz: das Schulpflichtgesetz. Mütter und Väter sind verpflichtet, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Tun sie es nicht, werden sie bestraft mit bis zu 2.500 €. In besonderen Fällen wird die/der Schulpflichtige von der Polizei zwangsweise der Schule zugeführt oder in den Jugendarrest gesteckt.
In allen anderen Staaten
innerhalb der EU, außer Deutschland, Bulgarien und Malta, herrscht nur Unterrichts- bzw. Bildungspflicht.

Der Geist der Schulbildung wird vom Bildungsziel „Employability“, Beschäftigungsfähigkeit, dominiert. Auf dieses Ziel haben sich 1999 29 europäische Bildungsminister*Innen in der Bologna-Konferenz geeinigt.

Als Lehrplan gelten Fachanforderungen und sog. Bildungsstandards, die vom Institut für Qualitätsentwicklung an der Humboldt-Universität Berlin entwickelt werden.

Als Bildungsqualität zählen maßgeblich der Rangplatz, den Deutschland im internationalen Pisa-Ranking von 76 Staaten erreicht und die Erfüllung der Bildungsstandards mit Notengebung.

Als Bildungsgrundlage gelten die Sachanforderungen der Fächer.

In diesem System

-         herrscht Lernzwang, unter dem gelernt werden muss, was „vorgesetzt“ wird;

-         zählt als Bildung, was mit Zahlen in Vergleichstests zählbar ist;

-         dominiert das Konkurrenzprinzip.

Eine solche Bildung ist menschenUNwürdig. Denn der junge Mensch wird auf messbare Geistqualitäten seiner Verstandesintelligenz reduziert. Ergebnis ist ein rudimentärer Mensch, ein Torso. Und es fehlt die Grundbedingung der Menschenwürde: die Freiheit.

Zur menschenwürdigen Bildung

Einen Wandel zur menschenwürdigen Bildung praktiziert eine Vielzahl freier Schulen. In diesen Schulen geht es um „Lernen in Freiheit“ (Carl R. Rogers).
Schauen wir uns auch in diesem System die genannten Grundelemente an.

Der Bildungsansatz menschenwürdiger Bildung ist Eigeninitiative. Denn jedes Kind will lernen. Lernen-wollen ist eine im Menschen von der Natur angelegte Grundtendenz, weil jeder Mensch sein Leben unabhängig und selbstständig führen will. Und dafür braucht er die Ausbildung seiner Fähigkeiten.

Deshalb gilt als Bildungsziel menschenwürdiger Bildung „learning to be“, lernen zu   s e i n . Dieses Ziel hat die UNESCO formuliert, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung und Erziehung.

Als Lehrplan gilt das Potenzial des einzelnen Kindes. Jedes Kind ist sein eigenes Curriculum. Dieser Bildungsansatz ist die weitestgehende Freiheitsform der Bildung. Das Eigeninteresse des Kindes leitet den Lernprozess.

Lernerfolg und Bildungsqualität werden durch Selbsteinschätzung des Kindes in Verbindung mit Fremdeinschätzung der Lernbegleiterin/des Lernbegleiters ohne Noten festgestellt. Dabei sind die in Lernrastern formulierten Lernziele der Maßstab.

Bildungsfundament ist das SELBST des jungen Menschen.

In diesem System

-         lernt der junge Mensch in Freiheit, motiviert durch sein Eigeninteresse;

-         gilt als Bildung die ganzheitliche Entwicklung des Selbstbewusstseins, des Bewusstseins vom eigenen SELBST;

-         wirkt das Kooperationsprinzip.

Ergebnis ist der vollständig gebildete, der integrale Mensch. zu dessen Lebensverständnis auch die irrationale, die intuitive Dimension gehört.
Auf diese Weise vollzieht sich im neuen, im integralen Bewusstseinszeitalter ein Wandel vom verordneten Zwangslernen zur individuellen Selbstbildung, zur Bildung des eigenen SELBST, im Sinne des Zukunftsforschers Matthias Horx: „Zukunft entsteht in Selbstregulation.“>>

In einem Interview wurde ich gefragt: Warum sind Sie so hoffnungsvoll? Auf diese Frage habe ich zwei Antworten gegeben:

Erstens: Die intuitive Intelligenz des Herzgehirns ist von Forschern des Institute of HeartMath® entdeckt worden. Das bedeutet, das Herzgehirn ist mit organischen Fakten dokumentiert. Diese Erkenntnisse sind auf Dauer nicht mehr zu ignorieren.

Zweitens: Die ältere Generation in den Bildungsministerien, die gegenwärtig noch an den veralteten Denkmustern festhält, stirbt aus. Die „neuen Kinder“, die Indigo-, Kristall- und Diamant-Kinder, realisieren den Wandel. Sie sind vom Evolutionsgeist mit einem multidimensionalen Bewusstsein ausgestattet und damit den alten Denkmustern weit überlegen. Die bereits erwachsenen Indigos haben den Mut zum Umbruch, sie gehen auf die Straße und demonstrieren. Sie sind Teil des Bewusstseinswandels. Die junge Generation ist meine Hoffnung. Sie bewirkt den Wandel des Bildungsbewusstseins im integralen Bewusstseinszeitalter.