WLS 017 Wandel S012ANDEL von Juliane Kiehn

Da hängt ein weißes Blatt mit orangener Schrift an meiner Wand
Seit über einem Jahr begleitet es mich, schaut mir bei meinen Lebensetappen zu,
bei der Trennung und dem folgenden Neuanfang,
bei den wunderschönen Momenten und an den tränenreichen Tagen,
bei den Zeiten der Zuversicht und denen der Verzweiflung.

Damals malte ich es in der Gewissheit,
die ich nach einer Tanzsession so sehr spürte,
dass mir ein großer Wandel bevorstehe,
ein Wandel voller neuer Eindrücke,
neuer Begegnungen und neuer Gefühle,

aber auch in dem Wissen,
dass ich vieles zurücklassen, loslassen,
mich von Menschen distanzieren würde
und etwas Unbekanntem entgegensteuerte.

In diesem Moment, war das alles so klar,
doch die Zeit verstrich und der Moment verging,
einiges veränderte sich, aber vieles blieb so wie es war,
so wie das Blatt an meiner Wand mit den orangenen Buchstaben darauf.
Schon fast höhnisch schaut es mich nun an,
‚Wandel‘, festgehalten auf einem Blatt Papier, über ein Jahr an diese Wand gepinnt.

Ich möchte das Wort von dem Papier schütteln,
ihm die Freiheit schenken
und dem Wandel mit offenen Armen entgegentreten,
doch keiner meiner Finger rührte sich.

So fühlte ich mich vor einigen Monaten:
Ich hatte Angst,

Angst vor der Ungewissheit, vor dem Stolpern und dem Fall danach,
die Befürchtung, dass etwas schief gehen könnte

und das Gefühl, den Boden und die Sicherheit unter den Füßen zu verlieren.

Ich spürte auch hier,
dass ich etwas ändern wollte,
hatte das Gefühl festzustecken
und mein volles Potential nicht auszuleben,
doch ich wusste nicht, wo ich beginnen sollte.

Nach vielen Momenten,
in denen ich in der Verzweiflung versank,
begann ich, einige kleine Dinge zu verändern
und spürte schnell ihre Wirkung,
einiges war leicht, anderes erforderte mehr Zeit und Überwindung.

Doch heute stehe ich hier in meinem Zimmer,
mit meinem ‚I will make a change’-T-Shirt1,
löse das Blatt Papier vorsichtig von der Wand,
halte einen Moment inne und übergebe es dann den Flammen,
ich sehe zu wie das Wort verglüht,
sich langsam verwandelt
und schließlich zu Asche wird.

Mit Zuversicht sehe ich nun dem bevorstehenden großen Wandel entgegen,
dem Umzug in meine eigenen vier Wände,
dem Neufanfang, dem ich dadurch entgegen schauen kann
und die neue Gelassenheit, dass alles gut so ist,
wie es jetzt ist
und alles zur richtigen Zeit kommen wird.
Denn nur durch Wandel,
können die negativen Momente vergehen,
um Platz zu machen, für all das Schöne,
was das Leben zu bieten hat!

Ein tiefes Lächeln erscheint auf meinen Lippen,
breitet sich in meinem ganzen Körper aus
und ich spüre wie der WANDEL mich mit seiner allumfassenden Energie durchströmt.

 1’Make a change‘ – Nahko and medicine for the people