LS 017 Wandel S17Fridays For Future - Ein Gespräch mit Samira und Kasimir von Nuriama Lichterstein und Angelika Ruba

Es war ein berührendes, leichtes Gespräch über das Thema „Wandel“ mit Samira (17) und Kasimir (18), beide stark engagiert bei „Fridays for Future“, Eutin

Samira: „Wandel - Das ist ein ganz großes Thema, das vielen Menschen auf dem Herzen liegt. Die Schüler in meinem Alter haben das ja auch mitgekriegt und denken über ihre Zukunft nach, deshalb ist Fridays for Future ja so schnell gewachsen. Obwohl wir noch nicht das Gefühl haben, dass es genug sind.“
Beide kommen aus Familien, die selbst sehr bewusst und kritisch den Klimawandel wahrnehmen.
Dazu Kasimir: „Aber wie die meisten Menschen schaffen sie es doch nicht, richtig nachhaltig zu leben. Ich selber schaff das ja auch nicht, bin zum Beispiel weit entfernt davon, vegan zu leben. Allerdings ist das für mich auch ein Konflikt: Es ist z.B. zeitaufwändiger, Sachen zu reparieren – wieviel Zeit habe ich dann noch für öffentliche Aktionen? Viele Schüler gehen nicht auf die Demos, weil sie es heuchlerisch finden, weil sie nicht nachhaltig leben. Aber ich finde es besser, wenn z.B. der Klimabotschafter DiCaprio wenigstens in diesem Engagement ein Vorbild ist, auch wenn er mit Privatjets fliegt.“
Kasimir hat die Eutiner Gruppe mitgegründet, nachdem er erst Videos von Schüler*innen-Demos in Hamburg gesehen und danach eine beeindruckende Rede von Greta Thunberg gehört hat. Samira ist seit Mai in der Orgagruppe dabei. Ihre Mutter hat sich auch schon als Jugendliche sehr viele Gedanken um die Fragen des Klimawandels gemacht, ist selbst jedoch nicht aktiv geworden. Jetzt ist sie stolz darauf, dass ihre Tochter das tut.

Einen Generationenkonflikt, wie wir Älteren ihn aus den 60iger und 70iger Jahren erlebt haben, sehen die Beiden nicht. ( Mit den Großeltern, da gibt es für Kasimir einen politischen Konflikt: Die finden sein Engagement grundsätzlich auch gut, vertrauen aber eher darauf, dass die „konservativen Parteien wie CDU und SPD“ das schon machen werden.?)

Fridays for future ist eine sich ständig wandelnde Bewegung. So haben mehrere Eutiner Aktivist*innen jetzt ihr Abi gemacht und gehen natürlich weg aus Eutin, die Orgagruppe hat sich entsprechend dezimiert. Eine ist jetzt dafür beim Nabu aktiv, da bieten sich neue Gelegenheiten für neue Vernetzung. Kasimir ist voller Vertrauen, dass neue Schüler*innen nachrücken werden.

Wir fragen die beiden, ob ihr Engagement auf eine Vision einer besseren Welt gegründet ist oder eher darauf, überhaupt noch eine Welt zum Leben zu haben? Zu letzterem nicken beide heftig mit dem Kopf.

K: „Ja, das ist, glaube ich, den wenigsten klar, dass das gar nicht so selbstverständlich ist! Neulich habe ich eine Doku über das Artensterben gesehen, das ökologische Umfeld ist ja noch viel akuter bedroht als das Klima. Wenn die Artenvielfalt verschwindet, sterben auch wir Menschen. Es ist den meisten gar nicht klar, wie weit wir davon entfernt sind, die Welt zu erhalten. Die Politik ist machtlos, komplett gesteuert von Autolobby usw. Und da gibt es keine Transparenz, was so leicht möglich wäre, in Zeiten des Internets. Da ist überhaupt kein Verlass, das muss von unten kommen, wie bei Fridays for Future. Man braucht solche Gruppen wie „Ende Gelände“, die sich direkt vor den Bagger stellen. Da würde ich auch sehr gern mitmachen nächstes Jahr.“ Eine Aktivistin vom Hambacher Forst hat neulich in der Umwelt-AG einen Vortrag über ihre Erfahrungen gehalten.
S: „Durch die „Waldspaziergänge“ und diejenigen, die „Führungen“ bekommen haben, ist das ja richtig bekannt geworden. Je öfter sie da waren, desto mehr haben sie gemerkt, dass sie etwas tun wollen und dann sind sie einfach sitzen geblieben, als die Bagger kamen. Dass sie sich das getraut haben, ist schon krass! Aber das ist wichtig.“

K: „Dass wir selbst aktiv werden. Neulich habe ich in einem Interview einen Ökonomen sagen hören: Die Hoffnung ist, dass es gesellschaftlich inakzeptabel wird, Auto zu fahren.“

So langsam zeigt sich, dass da doch schon Visionen einer besseren Zukunft existieren:
K: „Kuscheln statt Konsum, ist auch ein guter Spruch. Ganz wichtig finde ich Gemeinschaften, die uns vorleben, wie es gehen kann“. Er kennt eine Frau, die im Kanthaus gewohnt hat, eine WG, die z.B. foodsharing macht, möglichst nachhaltig und mit wenig Konsum lebt. (https://kanthaus.online/de). In Eutin entsteht eine Gemeinschaft (analog.6.8), die den Hauskauf so abgesichert hat, dass es niemandem direkt gehört (mithilfe MiethäuserSyndikat und GLS-Bank). Auch das Ökodorf SiebenLinden ist für ihn ein Positivbeispiel.

Wir fragen, was sich die beiden von Leuten wie uns wünschen

Samira: „Ins Gespräch kommen, sich austauschen – das ist wichtig!“
Kasimir: „Ja, ins Gespräch kommen, das ist das wichtigste, weil es uns alle betrifft. Und dann schauen, was man selber machen kann.“

Und ihr geht davon aus, dass es nach den Sommerferien weitergeht?
Samira: „Auf jeden Fall, wir werden nicht aufgeben!
Kasimir: Es geht auf jeden Fall weiter! Jetzt fahre ich auf dem Sommerkongress von FFF (ein Camp mit 1500 Menschen). Es ist lächerlich, wenn Leute behaupten, es würde aufhören. Diese Bewegung ist total revolutionär. Als Martin Luther die Thesen an die Kirchentür genagelt hat, haben die Leute vielleicht auch gedacht, das ist nur so ein Hype oder so…“

Angelika und Nuriama: „Herzlichen Dank für dieses Gespräch – wir bei sind beide aus der Generation, die in den 70ern aktiv waren. Es macht glücklich zu erleben, dass ihr jungen Leute weitermacht und dass wir hier miteinander sprechen können, dass jung oder alt keine Rolle spielt.“