Perspektivenwandel von Nuriama Lichterstein

Bei dem Wort „Wandel“ denke ich immer an eine Art „Wendel“, eine auseinandergezogene Spirale, die sich dreht. Vielleicht so wie unsere Galaxis - oder unsere DNS. Wandel – das geschieht nach meinem Gefühl ganz tief aus dem innersten Universum heraus, unumkehrbar und viel zu mächtig, um ihn aufhalten zu können. Ein Prozess, an dem ich teilhaben darf, eine Bewegung, der ich folge, oder besser: deren Bestandteil ich bin. Wie eins von den Glasstückchen im Kaleidoskop, das sich bei jeder neuen Drehung verschiebt, an eine neue Position fällt und mit allen anderen gemeinsam ein neues Bild des Ganzen hervorbringt.

Vor 30 - 40 Jahren las ich in New Age-Büchern über einen anstehenden „Paradigmenwechsel“, einen grundsätzlichen Werte- und Perspektivenwandel. Obwohl ich nicht wirklich begriff, worum es sich handelte, fühlte ich ein ganz klares bedingungsloses JA dazu, eine riesige Sehnsucht nach so einer grundsätzlichen Veränderung, die mir das Aller-Wichtigste in meinem ganzen Leben wurde. Damals war es mir noch nicht bewusst, dieses elementare Gesetz „Wie innen so außen“. Also kämpfte ich im Außen für eine bessere Welt, engagiert und verbissen. Bis ich Schritt für Schritt bei mir selber ankam, begriff, dass es erst einmal um einen „Paradigmenwechsel“ in mir selber ging. Ich war etwa 30 Jahre alt, als mich die Erkenntnis schlagartig überfiel: “Mein Leben ist auf Angst aufgebaut!“. Es begann ein langer Weg, u.a. mit vielen Jahren Therapie, auf dem sich langsam, unter all den ängstlichen Schichten, ein neuer/älterer Boden zeigte: Vertrauen und Verbundenheit.
Ich habe ein Bild dafür, das mir hilft, mich immer wieder an diesen Perspektivenwechsel zu erinnern: Als Kind malte ich die Sonne als gelben runden Kreis mit langen Zacken am Rand. Wenn ich mir nun vorstelle, dass ich ganz oben auf einer dieser Zacken stehe, dann sehe ich um mich herum viele andere Zacken mit jeweils einem anderen Menschen oben drauf. Wir können uns unterhalten, manche sind ziemlich weit weg, andere sind mir näher, manche Zacken und Menschen sind groß und kräftig, andere kleiner. Wir sind alle anders. Und wir sind offensichtlich voneinander getrennt. Aus dieser Perspektive betrachtet, bin ich von der Geburt an allein.
Wenn ich jedoch meinen Blick in das Innere meiner Zacke lenke, dann entdecke ich eine andere Welt: Ich kann mich sinken lassen, der Raum wird immer weiter – und auf einmal bin ich mit all den anderen Menschen verbunden, wir bewohnen denselben großen Raum! Wir sind alle aus demselben Stoff! Da ist gar keine Trennung – wir sind gemeinsam! Es fühlt sich so innig vertraut und wahrhaftig an, so berührend und frei. Und das gilt nicht nur für die Menschen, sondern natürlich auch für die Tiere, die Pflanzen, die Erde – für alle Wesen. Was für eine andere Sichtweise!

Ich kenne inzwischen viele Begriffe für diesen angekündigten Paradigmenwechsel, z.B.: „Vom Kopf ins Herz“ oder „Von der Vorherrschaft der Ökonomie zur Ökologie“ oder „Von der Getrenntheit zur Verbundenheit“. Offensichtlich befinden wir uns gerade in einem tiefgreifenden Bewusstseinswandel, einem Wandel, der in jeder*m Einzelnen stattfindet und sich gleichzeitig kollektiv vollzieht.
In meinen Büchern stand auch: Ihr habt euch danach gedrängelt, in dieser Zeit hier auf der Erde zu sein und bei diesem großen Fest der Wandlung aktiv dabei zu sein. Ja, das fühlt sich stimmig an - ich nehme gern meinen ganz persönlichen Platz darin ein und fülle ihn nach meinen Möglichkeiten aus!