Hans im GlueckHans im Glück von Nuriama Lichterstein

Es gibt bei den Brüdern Grimm das Märchen vom „Hans im Glück“, das für mich ein wunderbares spirituelles Lehrstück über das Thema Reichtum bedeutet!
Hans erhielt für 7 Jahre treue Dienste einen großen Goldklumpen und machte sich mit ihm auf den Heimweg. Doch so unbequem und anstrengend war dieser Klumpen zu tragen, dass er ihn erleichtert gegen ein Pferd eintauschte. Leider warf ihn das Pferd irgendwann ab und Hans war froh, dass ein Bauer es ihm für eine Kuh abnahm. Da er sich jedoch nicht aufs Melken verstand, schien ihm ein bald darauf angebotenes Schwein ein Super-Tausch zu sein. Doch ein entgegenkommender Bursche steckte ihm, dass sein Schwein ein gestohlenes Schwein sei! Wie dankbar war Hans, dass der Bursche bereit war, für ihn das Risiko des Erwischt-werdens auf sich zu nehmen und ihm sogar noch eine fette Gans dafür in den Arm drückte. Schließlich traf er auf seinem Heimweg einen Scherenschleifer, der ihn davon überzeugte, wie einträglich das Scherenschleifer-Handwerk wäre und ihm im Tausch für die Gans einen alten Wetzstein überließ. „Hans lud den Stein auf und ging mit vergnügtem Herzen weiter; seine Augen leuchteten vor Freude: „Ich muss in einer Glückshaut geboren sein“, rief er.“* Doch nach einiger Zeit wurde er müde, der Stein drückte und er hatte Hunger und Durst. Da passierte es: Aus Versehen stieß er an den Stein und er plumpste in den Brunnen. „Hans, als er ihn mit seinen Augen in der Tiefe hatte versinken sehen, sprang vor Freuden auf, kniete dann nieder und dankte Gott mit Tränen in den Augen, dass er ihm auch diese Gnade noch erwiesen und, ohne dass er sich einen Vorwurf zu machen brauchte, von dem schweren Stein befreit hätte, der ihm allein noch hinderlich gewesen wäre. „So glücklich wie ich“, rief er aus, „gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“ Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter war.“ (*Grimms Märchen, insel taschenbuch)

Ich weiß noch, dass ich mich als Kind für Hans schämte und richtig ärgerlich auf ihn war. Wie konnte er sich so naiv und „dumm“ von den gemeinen Anderen hinters Licht führen und ausnutzen lassen. Ohnmächtig sah ich, wie sie sich über ihn eins ins Fäustchen lachten. Und dann freut er sich sogar noch darüber! Wie kann er nur glücklich sein, wenn er doch mit leeren Händen nach Hause kommt anstatt mit einem großen Goldklumpen? Die Mutter wird doch mit ihm schimpfen! Oder zumindest traurig sein, weil sie das Gold oder doch wenigstens eins der Tiere bestimmt gut hätte brauchen können.
Doch da war auch eine andere, etwas weniger bewusste Ebene in mir, die von dem Bild am Schluss tief berührt wurde. Wie glücklich und unbelastet dieser Hans am Ende herumspringt und ganz leichtfüßig nach Hause läuft…

Heute kann ich dieser Seite mehr Worte geben: Hans war sich offenbar ganz sicher, dass seine Mutter ihn nicht ausschimpfen würde. Er wusste, sie würde sich mit ihm und an ihm freuen, ihrem Sohn, der so ein gutes Wesen in sich trägt, unabhängig von äußerem Reichtum, ganz im Jetzt lebend. Denn wie unglaublich ist dieser Hans, dass er sich so sehr über alles freuen kann, was ihm widerfährt! Dass er in allen und in allem das Gute sieht. Jedes Mal ist er zutiefst dankbar darüber, die alte Last los zu sein und freut sich riesig über das neue Geschenk, das er erhält. Jedes Mal fühlt er sich glücklich und reich. Am reichsten, als er gar nichts mehr hat, was ihn belastet, als er ganz frei ist.
Vielleicht ist es ja dieses Märchen gewesen, das mich dazu brachte, niemals Millionärin werden zu wollen. Denn jedesmal, wenn die Frage gestellt wird: Was würdest du tun, wenn du eine Million gewinnen würdest – sehe ich immer nur die Last, die es mit sich bringt, sich um so viel Geld kümmern zu müssen. Nein, da lebe ich doch lieber in der Gewissheit, dass ich immer genug haben werde, dass es irgendwie immer reich-en wird. Diese Freiheit fühlt sich super an!