Vater werden/sein ist Reichtum von Manfred Päpelow

Als mein größtes Geschenk habe ich die Geburt meines Sohnes empfunden, dies war der bewegendste Glücksmoment meines ganzen bisherigen Lebens und damit der größte Reichtum überhaupt, den ich mir vorstellen kann. Unser Sohn war – nach einer belastenden Zeit des nicht erfüllten Kinderwunsches - im wahrsten Sinne des Wortes ein Wunschkind, ersehnt, gewollt und geliebt schon vor seiner Geburt. Schon die langen Gespräche über unser zukünftiges Kind, von dem wir das Geschlecht gar nicht wissen wollten, weil es keine entscheidende Rolle gespielt hat, waren in freudiger Hoffnung eingebettetes Glück. Diese Erwartungshaltung steigerte sich bis hin zur Einlieferung meiner damaligen Frau ins Krankenhaus. Ich habe sie dorthin gebracht, war die ganze Zeit bei ihr, wollte mit allen Sinnen die Geburt unseres Kindes miterleben. Während der Wehen hielt ich ihre Hand und sprach mit beruhigenden Worten mit ihr. Alles schien nach Aussagen der Geburtshelferin einen guten Gang zu gehen und die Geburt wurde eingeleitet. Plötzlich Aufregung, Hektik, der Arzt wurde gerufen. Unser Sohn hatte sich im letzten Moment in Steißlage gedreht und konnte so nicht weiter herauskommen. Unsere frohe Erwartungshoffnung schlug blitzartig um in Angst und Sorge. Ich hörte nur noch das Wort Kaiserschnitt und dann wurde meine Frau auch schon in den OP geschoben. Ich blieb allein zurück mit meinem Gefühl der Panik und Angst und wartete in großer Sorge vor dem 0P. Dann kam, auf eine ganz andere Art als erwartet, der große, der größte Moment in meinem Leben: Thorsten, der Name stand vorher schon fest, wurde in einem Wärme-Glasbehälter mit Sauerstoffversorgung auf den Flur zu mir hin geschoben. Mir fällt es heute schwer, meine Gedanken und Gefühle, die mich in diesem Moment überfluteten, in Worte zu fassen. Ich erinnere mich nur noch, dass sich die Enge in meiner Brust in Weite verwandelte und ich fühlte mich mit Glück angefüllt. Dieses kleine Menschenkind, so zart, so hilflos, das ich so gerne berührt, gestreichelt hätte, leider durch eine Glasscheibe von mir getrennt. Glücklich war ich, stolz und überwältigt von diesem einmaligen Gefühl eines "Wunders". Ich sprach zu meinem Sohn, obwohl er mich dort sicher nicht hören konnte und versuchte Augenkontakt aufzunehmen, aber seine Augen blieben geschlossen, so erschöpft war er. Diese Freude, dieses Glück von Anfang an, habe ich dann später in einem Gedicht in Worte gefasst:

VATER und SOHN

Wir gaben dir Leben,
gewünscht, in Gedanken schon geliebt.
Wir wachten über Dich,
schon bevor die Welt sich Dir öffnete—
Mein Kind

Unter Schmerzen, in Angst geboren,
gingst du als unsere Sonne auf.
Wärme gebar Wärme.
Ein Blick auf Dich ließ das Herz mir überfließen.
Da warst Du, ein Teil von mir—mein Junge.

Ich habe Dich wachsen sehn,
geborgen und geschützt in Liebe.
Begleitet hab ich jeden Schritt von Dir,
bis allein Du konntest stehen, fallen,
aufstehen und weitergehen
und erproben Deinen Weg—
Mein Großer.

Jetzt bist Du auf dem Weg.
Mit Schmerzen zwar ließ ich Dich gehen,
doch stolz im Wissen um ein Wiedersehen.
Will weiter Dein Leben begleiten,
immer Dein Zuhause sein.
Ich liebe Dich über alle Zeiten—Mein Sohn