Diamanten 02Wenn ich an Reichtum denke… von Eva-Maria Knolle

Wenn ich an Reichtum denke, denke ich an die Sehn-Sucht nach Reichtum, die unsere Gesellschaften, in der materieller Reichtum so ungerecht verteilt ist, antreibt. Ich denke an die nagende Unzufriedenheit, die treibende leere Unruhe, die das Bewusstsein des Mangels auslösen kann, wenn dringende Wünsche und Notwendigkeiten, nicht einlösbar sind oder scheinen. Ich kenne das bohrende ‚nicht genug‘ und den bestimmenden Wunsch, schnell zu mehr Geld zu kommen. Das morgendliche Rubbellos oder andere Versprechen auf „schnelles Geld“ lösen Tagträume aus: „Was wäre, wenn ich plötzlich zu viel Geld käme? Was würde ich tun? Was könnte ich lassen? Was würde ich kaufen? Wohin würde ich endlich, endlich reisen können?“ Wie erschreckend hoch schnell die Summen werden, aus denen ein „ja, das wäre genug“ folgte. Natürlich kenne ich auch die Enttäuschung darüber, weiter den Weg der kleinen Schritte, der Kompromisse, des Verzichts auf diese Träume gehen zu müssen. Und in meinem Unabhängigkeits-Streben ist es nicht leicht, die Angewiesenheit auf das Wohl-Wollen anderer als natürlichen Zustand zu begreifen, wie es von einem tibetischen Lama formuliert wird:

Wir sollten uns das Geben und Empfangen als einen natürlichen Austausch vorstellen, etwas, was ganz einfach geschieht. Chögyam Trungpa

Und doch: Immer wieder fühle ich mich wunderbar reich und beschenkt.

Das Gefühl von Reichtum ist dann für mich ein körperlich spürbares Erfüllt-sein vom Glück des Augenblicks. Es fallen mir einige Situationen ein, wo mir bewusst wurde, wie erfüllt ich gerade bin: Erfüllt von spontaner Verliebtheit, nach einer zufälligen Begegnung mit einem bislang völlig unbekannten Menschen, der mir mit seiner Liebe zu seinem Beruf hilft, bei einer Aufgabe, die ich zu erledigen habe, einen Schritt weiter zu kommen. Dass sich unsere Begegnung so natürlich stimmig anfühlt, die erlebte Zugewandtheit und der angeregt entspannte Fluss der Worte. Das sachlich an meinem praktisch-handwerklichen Anliegen und seiner beruflichen Kenntnis ausgerichtete Gespräch wird begleitet von einem (von mir) intensiv erlebten energetischen Austausch. Die Begegnung erfüllt, für mich völlig überraschend, all mein Sein, all meine Zellen für den Rest des Tages mit einem inneren glücklichen Strahlen. Ein Geschenk, allein dieses Gefühl des glücklichen Überströmens und große Dankbarkeit an mich, dies einfach so, wie es grad ist anzunehmen, vor allem auch als Moment überraschender Begegnung mit meinem Potential von Verliebtheit und Begehren.

Ich denke auch an andere Momente von Erfüllt-Sein, die alltäglichen Situationen mit einem inneren Strahlen von Zufriedenheit und Dankbarkeit erleuchten können, zum Beispiel in der Umarmung mit einer Freund*in, im verständnisvollem Mitgefühl einer Kollegin oder als ich mit meiner 90 jährigen Mutter Pellkartoffeln und Quark esse, ganz erfüllt vom guten einfachen Geschmack und dem Glück der geteilten Freude.

Reich bin ich, wenn ich diese gar nicht so seltenen Momente, mir selbst wohl-wollend, bewusst zulassen kann. Auch im Vertrauen auf das Wohl-Wollen anderer Menschen.

Danke an die LichtSeiten für die Anregung über das Thema Reichtum zu meditieren.

Eva-Maria Knolle

So, denke ich, kann sich Verliebtheit anfühlen.

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