Meine Art, mit Verantwortung umzugehen von Christian Restin

Mir gefällt es, Verantwortung zu übernehmen. Hierbei geht es mir um die Art der Verantwortung, die nicht durch hierarchische Strukturen oder als Personalvorgesetzte/r legitimiert ist, sondern um persönliche Autorität, die sich in der jeweiligen Situation zeigt.

Ich arbeite in einem Jugendamt mit verschiedenen verantwortungsvollen Aufgaben und bin daher häufiger Ansprechpartner für Entscheidungen. Meine Haupttätigkeit ist die Beratung von Kita-Trägern, Einrichtungsleitungen und Kindertagespflegepersonen in Fragen der Kinderbetreuung.

Das Wort Verantwortung bedeutet für mich, dass meine persönliche Antwort gefragt ist.

In diesen besonderen Zeiten ( Corona ), nachdem die Kindertagesstätten geschlossen waren, wurde ich z.B. gefragt: „Dürfen die Kinder jetzt aus unterschiedlichen Gruppen zusammen spielen?“ oder „Dürfen wir im Morgenkreis singen?“ Meine Antwort: Jetzt wo wieder Regelbetrieb herrscht, gilt auch wieder eure pädagogische Konzeption, im Regelbetrieb sind auch das Singen im Morgenkreis oder andere Aktivitäten wieder möglich. Der Infektionsschutz wird im normalen Maße wahrgenommen. Manchmal muss ich den Gesetzestext übersetzen, um die Einrichtungsleitungen in ihren Kompetenzen zu unterstützen. Denn ich habe festgestellt, dass viele aus Furcht, etwas falsch zu machen, lieber zurückhaltend sind und die einschränkenden Maßnahmen ggf. auch unbegründet weiterhin aufrechterhalten.

Ich mag es, verantwortliche Entscheidungen zu treffen und meine Antworten möglichst transparent und nachvollziehbar zu geben, deshalb benutze ich gerne bildhafte Beispiele oder knüpfe an Erfahrungen der Fragenden an.

Ein großes Herzensanliegen ist für mich die Allparteilichkeit. Da sind die Kinder, die ein Recht haben, adäquate Räume und Personal vorzufinden, da sind die Mitarbeitenden, die ein Recht haben, gesehen zu werden in ihrer Einzigartigkeit, weil sie als Team agieren müssen. Da sind die Leitungen, sind die Träger, die auch wieder eine ganz andere Perspektive auf ein und dieselbe Sache haben. Meine Idee von Verantwortung ist, dass ich möglichst zu einem Ausgleich komme, dass ich allen gerecht werde, dass alles zusammen sozusagen erst den ganzen Kuchen gibt und nicht jeder nur sein Stückchen sieht.
Es geht mir um das Ausbalancieren der unterschiedlichen Interessen und darum, etwas zu bewirken durch überzeugen statt zu verordnen.

In manchen Zusammenhängen ( z.B. Gefährdungen ) ist es notwendig, die gesetzlichen Vorgaben durchzusetzen. Das wichtigste ist aber auch hier, dass ich eine innere Stimmigkeit spüre. Durch die Erfahrung hat sich in mir eine Haltung entwickelt. Wenn ich ein Magengrummeln habe, dann sagt mein Körper: irgendetwas stimmt hier nicht, geh dem noch mal nach, such eine andere Lösung. Hierfür nutze ich auch die Spielräume, die sich in den gesetzlichen Vorgaben befinden. Hilfreich sind in diesem Zusammenhang auch Vorgesetzte, die mir meinen Entscheidungsfreiraum ermöglichen und diesen respektieren.

Mit anderen Worten: Ich arbeite gerne auf Augenhöhe mit allen Beteiligten.

 

Nächste Heftthemen

Ausgabe 22 - 01.04.2021
Abenteuer SEIN

  Redaktionsschluß
und Anzeigenschluß
ist am 26.02.2021

Der Redaktionskreis hat
beschlossen, dass die
Lichtseiten nur noch
dreimal im Jahr erscheinen.
Jeweils zum 1.4., 1.8. und 1.12.