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Ich Bin von  Nuriama Lichterstein

Ich sitze ganz allein in einem Boot. Unter mir ist kilometertiefer Ozean, dunkel, kalt. Krampfhaft halte ich das Segel in den Wind, versuche, das Boot in die richtige Richtung zu lenken. Der Wind heult, die Wellen werfen mich hin und her, ich kämpfe um mein Leben.
Wie bin ich bloß hierhergekommen?
Langsam schwinden meine Kräfte, ich kann das Segel nicht mehr halten, das Seil gleitet aus meinen Händen. Ich kann nicht mehr. Ich lasse los.

Die Wellen tragen mich weiter – irgendwohin. Das heruntergefallene Segel liegt halb auf mir. Oh, es beschützt mich ja ein bisschen vor dem zerrenden Wind und dem über das Boot schwappenden kalten Wasser. Und vor zu viel Sonne.
Feuchtigkeit hat sich auf dem Segel gesammelt hat – Tau und ein bisschen Regen. Ich kann etwas trinken.
Im Wasser entdecke ich Fische. Delphine begleiten mich eine Weile, eine Schildkröte taucht auf, verschwindet wieder. Quallen und irgendwelche kleinen Wesen huschen durchs Wasser. Der Ozean ist voller Leben! Ja, er quillt fast über von Lebewesen, großen und vor allem aber kleinen und kleinsten. Ich bin kein bisschen allein!

Und dann tragen mich die Wellen in eine Bucht. Ich bin angekommen.
Wo? Keine Ahnung, es ist nicht mehr wichtig.
Der Ozean ist voller Leben, der Boden unter meinen Füßen ist voller Leben, die Bäume, Pflanzen, Tiere sind lebendig, in mir leben Millionen von Organismen, in jeder meiner Milliarden Zellen pulsiert Leben – wo ist ein Anfang , wo ist ein Ende?

Das Leben strömt und fließt, wirbelt und ruht, kein Anfang, kein Ende, ständig neues Leben, bunte Farben, schillernde Blasen … in allem, was lebendig ist.
Ich bin lebendig!
Ich Bin.

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Ausgabe 23 - 01.08.2021
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