Meine außergewöhnliche Beziehung zu einer Frau, die ich persönlich nie kennen gelernt habe...
von Regina Nana Schimazek

LS 0821 S06
Auf dem Büchertisch meiner Kunsttherapiegruppe im Jahr 2009 sah ich ihr Porträt auf ihrem Buch: Tanz Ausdruck und Heilung. Es sprach mich sofort an. Als ich darin blätterte, begann ich den faszinierenden Weg einer Frau zu verfolgen, die sich selbst vom Krebs heilte...und andere Menschen.

Das Foto von ihr zeigt, wie sie ihr gemaltes Selbstbildnis in Körpergröße versucht zu tanzen. Es stellte sie in hellen Farben dar, gesund, ein Bild von jugendlicher Schönheit. Sie erkennt intuitiv, dass das so nicht funktioniert, dreht das Papier um und malt sich jetzt ganz anders, so wie sie sich gerade fühlt, schwarz, kantig, wütend und violett, wiederum in Lebensgröße.

Dies tanzt sie, im Kreis von Menschen, die ihr etwas bedeuten, ihren Zeugen. Hingebungsvoll bewegt sie sich. Zitat: „Ich stelle mir vor, dass mein Atem wie Wasser durch meinen Körper fließt, mich reinigt und vom Krebs heilt.“ (1975, 55 Jahre alt)

Tanz als uraltes Heilmittel

….Tanz ist ein Medium des Körpers und ein Ausdrucksinstrument, schreibt sie, er muss nicht unbedingt anmutig, hübsch wirken, sondern gern auch wütend, komisch erschreckend, denn Tanz kann Konflikte zum Ausdruck bringen. Ihre Herangehensweise an diese Krankheit interessierte und faszinierte mich, da ich 2010 selbst an Krebs erkrankte. Ausdruckstanz kann jede*r. Anna kombinierte diesen Tanz mit Bild-Erleben, also Malen und kreativen Schreiben plus Imagination.

Genau das setzte ich um.

So entsteht ein kreativer Umgang mit Gefühlen und Emotionen, ganzheitlich verstanden, ohne die Schulmedizin auszuschließen. Zitat: „Wenn unser Tanzen auf diese Weise mit den Dingen, um die es in unserem Leben wirklich geht, verbunden ist, nenne ich es Lebenskunstprozess.“

Tanz und kreatives Tun haben aus vielerlei Gründen eine erstaunliche Wirkung auf den Heilungsprozess. „Ich habe Krebs gehabt und diese Krankheit überlebt“, sagt Anna Halprin.

Ihre Freundin und frühere Schülerin Maggie Creighton bat sie 1980, ihre Mitarbeiterin am Cancer Support and Education Center in Menlo Park, Kalifornien zu werden und dort Menschen, die mit Krebs leben, Kurse in Bewegungstherapie und Tanz anzubieten, sie zögerte keinen Augenblick und nahm das Angebot an. Anna Halprin verschrieb sich der weitergehenden Forschung: Tanz als Heilkraft; im Center konnte sie auf Erfolge blicken, oft kam der Krebs zum Stillstand oder wurde sogar geheilt.

Ich danke Anna für ihre Arbeit, setzte vieles von Ihren Ideen um und kann jetzt, nach 10 Jahren, ebenfalls von einer Heilung sprechen.