Be-zieh-ungen von Nuriama Lichterstein

Vor meinem inneren Auge sehe ich um mich herum ein Gespinst aus unzähligen unendlich feinen goldenen Fäden. Ich sitze mittendrin und plötzlich zieht es an einem der Fäden. Meine Aufmerksamkeit wandert dorthin, ich ziehe auch ein bisschen, eine Be-zieh-ung entsteht. Vielleicht nur für ein paar Sekunden: So wie vorhin mit drei Autofahrern, die mir (auf dem Fahrrad sitzend) nacheinander auf einer engen Straße entgegenkamen. Einer bretterte ohne auszuweichen ganz dicht an mir vorbei. „Heh, muss das sein!“ dachte ich, etwas erschreckt und leicht ärgerlich. Der nächste wurde ganz langsam und wich weit aus und ich hatte Zeit, mich erfreut zu bedanken. Der dritte wich aus, blieb aber so schnell, dass ich ihn kaum erkennen konnte. Dann war es wieder vorbei.

Auf der anderen Seite gibt es die lebenslangen Be-zieh-ungen zu meiner Familie, die sich jetzt im Älterwerden auf eine lassende, respektvolle Art immer mehr verfestigen. Dann ist da Rainer, mit 53 Jahren begann es an diesem Faden sehr kräftig zu ziehen! Offenbar bestand mit seiner Seele eine Verabredung, dass wir uns zu einem bestimmten Zeitpunkt treffen würden, um von dort an gemeinsam durchs Leben zu gehen und einige Projekte aufzubauen.

Wenn ich mich umschaue, zurückschaue, gab und gibt es viele „Zieh-Fäden“, langanhaltende und kurzfristige, auch solche, die eher hässlich wirkten. Zu den LichtSeiten führt auch so ein Faden: Ich liebe die Zusammenarbeit in dem Redaktionskreis, das Schreiben, den Kontakt mit den Autor*innen, wenn es darum geht, einen für sie stimmigen, fließenden Artikel zu erstellen.

Noch andere „gezogene“ Fäden kann ich entdecken, sie verbinden mich mit der geistigen Welt: mit Erzengel Michael z.B., meinem wunderbaren Helfer in so vielen Situationen!

Für mich fühlt es sich so an: Die goldenen Fäden des unendlich feinen Gespinstes um mich herum verbinden alles miteinander, wirklich alles und sie bestehen aus reiner Liebe! Wenn an irgendeinem davon gezogen wird, schwingen sie in meinem Bewusstsein, erhalten eine gefühlte Färbung, werden ein Teil von mir: Freudig, liebevoll, ärgerlich oder verunsichert... All die großen und kleinen Beziehungen in meinem jetzigen und bisherigen Leben zu Menschen, Wesen, Natur, Orten und Projekten bilden mein ganz persönliches Netz von „gefärbten Ziehfäden“. Mein Beziehungsnetz beschreibt mein Leben. Wenn ich darauf schaue, sehe ich wie in einem Spiegel meine Geschichten, meine Themen, meine Entwicklungen, meinen Weg. Mein ganz individuelles Muster, hervorgehoben aus diese unendlich fein verwobenen Netz von Verbindungen zwischen allem und jedem, diesem goldenen Netz aus bedingungsloser Liebe.

So gesehen kann es doch gar nicht anders sein: Jede Beziehung ist Liebe!