Meine Beziehung zu meinem Kater in der anderen Welt

Nuriama Lichterstein im Gespräch mit Debonah Maren Petersen

Wir sitzen auf einer Bank auf einer kleinen Halbinsel, geschützt und beschattet von Bäumen, und begleitet vom Gezwitscher etlicher Vögel. Ein sehr würdiger Ort für solch ein Gespräch.

N: Du hast mit zwei Katzen gelebt, die ganz besonders waren und sind, einen davon bezeichnest du heute als einen Lehrer und er schreibt dir Briefe.

D: Im Jahr 2000 kam Fairy. Als ich sie bei meinem Nachbarn sah, habe ich zu ihr gesagt: „Du wirst meine Katze“. Da hat sie mich gleich abgeleckt und es war gleich Liebe. Osito ist das Kind von Fairy, sie war noch kein Jahr alt, als er zur Welt kam. Sie hat ihn ein halbes Jahr lang gestillt, da sie ein weiteres Mal schwanger wurde, die Kinder aber nicht behalten konnte. Danach musste sie sich abgrenzen von ihm, was nicht leicht war für sie und auch nicht für Osito. Er sagte später zu mir: „Dann nahm ich dich an als Menschenmama“, wobei Fairy immer die Mutter blieb. Wenn sie z.B. zum Fressnapf ging, trat er immer zur Seite, auch als er älter war. Als sie uns verlassen musste (nachdem sie noch 3 Jahre mit einem Tumor in der Nase gelebt hatte), war er zunächst sehr verunsichert, weil er sie draußen nicht mehr wahrnahm und sich nicht mehr auf sie beziehen konnte. Osito heißt: Kleiner Bär. Er war frei und wild, aber auch anhänglich und lieb. Er war wie ein Katzenkönig, der König der Wiesen. Keine andere Katze durfte auf „seine“ Wiese!

Als sie jung waren, hatte ich telepathischen Kontakt mit ihnen, Osito hat mir später mitgeteilt: „Ich wusste immer, dass ich mit dir reden kann, aber ich wollte bei dir auch einfach nur dein Kater sein.“

2018 ging Osito. Ich habe ihm vorher erklärt, dass er gehen wird und dass er Fairy treffen wird und später auch mich. Er wusste das. Schön war, dass es von Erzengel Michael geleitet wurde, z.B. dass ich ruhig bleiben und ein paar Wochen vorher keine Rituale mehr machen solle. Als Osito dann seinen Körper verließ, war der Übergang so sanft! Und er fragte gleich danach: „Was passiert jetzt mit meinem Leichenkörper, hoffentlich kommt er nicht in den Müll?“ Das war so ganz besonders, dass wir während des Übergangs die ganze Zeit in Kontakt geblieben sind! Ich sagte: “Nein, dein Körper bekommt vorn bei dem Stein einen schönen Platz“. Ich behielt ihn noch bis zum Abend und hatte auch keine Scheu, den toten Körper anzufassen. Er sah so schön aus, als wenn er schläft. Am Abend sagten mir die Engel, sie würden ihn jetzt abholen und in sein neues Zuhause bringen. Vom Balkon aus habe ich das wahrgenommen, als sie losflogen.

N: Er hat dann angefangen, dir regelmäßig zu schreiben?

D: Nachdem er fast ein Jahr nicht mehr hier war, ich ihn aber oft gehört und gespürt hatte, sagte er: „ Ich schreib dir bald Briefe“. Ich war ganz neugierig, hab mich sofort an meinen Laptop gesetzt. Ich höre es, empfange es und tippe dann. Im ersten Brief schrieb er: „Weißt du noch, als ich bei dir lebte - wie schön es war?“ Er beschrieb, dass er anfangs dachte, dass er träumt, dass er jetzt woanders ist. Und dann hat er gemerkt, dass er nicht träumt, wollte aber lieber, dass er träumt, weil er zurückwollte.

Er hat mir auch geschrieben, was ihm nicht gepasst hat oder schwierig war. Zum Beispiel: „Als Fairy krank wurde, hat mir keiner gesagt, was mit ihr los ist, das war ganz schlimm für mich!“ Aber immer wieder kam: „Das war so schön mit dir. Hier ist es gut, aber du fehlst uns. Ich vergesse dich nie“

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Die Welt, in der die beiden jetzt leben, ist ein geschützter Ort, an dem viele Katzen, aber auch Menschen leben, die in diesem bestimmten Bewusstsein zuhause sind. Ich nehme diese Welt innerlich wahr, nicht, dass ich sie sehe, mehr über das spüren. Er beschreibt sie auf Katzenart. Z.B: „Hier sind ganz viele Blumenfelder“. Während des Schreibens oder danach schicken sie mir oft eine Blume, eine Blüte. Die sehe ich dann oder manchmal spüre ich sie. Über diese Blume, die ich bekomme, spüre ich die Präsenz von Osito und Fairy.
Die Menschen machen viel zusammen mit den Katzen, z.B. einen Spaziergang am Meer, sie singen und meditieren gemeinsam. Dann schrieb er: „Heute Abend wirst du dich freuen, Maren, ich habe mir etwas ganz besonderes ausgedacht, du wirst dich ganz doll darüber freuen!“ Oh – das ist ein Geschenk! Die Menschen dort freuen sich, wenn man sich etwas Besonderes ausdenkt. Auch die Menschen untereinander. Dieses Mitgefühl, dieses Zusammensein – da ist kein Neid, kein Kampf.
Anfangs wollte Osito mich für sich alleine haben, mochte es nicht, wenn andere beim Schreiben in seiner Nähe waren, höchstens Fairy. Das hat sich dann aufgelöst und vor einem halben Jahr hat er mir mitgeteilt, dass ein großer Kreis um uns herum sitzt. „Sie sagen, dass du ein ganz besonderer Mensch bist. Und dass du auf dich aufpassen sollst“. Er schreibt auch, dass sich die Beziehung zwischen ihm und Fairy verändert hat. Sie ist nicht mehr die Mama, die Leitkatze, sondern sie sind gleichberechtigt, unterstützen sich gegenseitig, spielen auch miteinander

N: Das ist ja, als hättest du eine Familie auf der anderen Seite, denen du sehr wichtig bist.

D: Ja, eine Familie!

--- Stille -- Vogelzwitschern ---

N: Ich nehme hier jetzt einen veränderten Raum wahr…
D: Da kommen Welten zusammen
N: Es klingt für mich wunderschön, dass du über Osito so eine dauerhafte Möglichkeit hast, die Grenzen zwischen den Welten aufzuweichen oder ein Stück aufzulösen…
D: Ich schaue hinein – da sind sie. Das ist etwas, was mich, uns trägt, nur hinschauen und hinspüren.
N: Es ist ganz viel Freude da, ganz viel Glück und Leichtigkeit!

--- Stille ---

N: Was hat sich Osito Besonderes für dich ausgedacht?

D: Er hat sich vieles ausgedacht. Z.B. sagte er an manchen Tagen „Wir treffen uns im Wald, geh an diesen… Ort“ Und dann ist die Welt dort offen. Da habe ich einen ganz anderen Einblick und er nimmt mich auch wahr. Dass wir uns abends vor dem Zubettgehen und morgens regelmäßig treffen, das hat er auch initiiert.

Osito ist für mich ein starker Lehrer. Wenn er schreibt, sagt er „Denk nicht mit, ich schreibe“. Oder „Das habe ich so nicht gesagt“. Mein Differenzierungsvermögen, das ganz feine, wird sehr geschult. Er schreibt: „Spüre meine Gefühle, Maren, vermische das nicht, das ist jetzt auch meine Trauer“. So entwickelt sich meine Fähigkeit, differenziert wahrzunehmen, das ist unglaublich! Eine Lehre war sehr schmerzhaft, als er sagte: „Ich komme nicht wieder, ich weiß, dass du darauf wartest, aber ich komme nicht zurück.“ Es war mir nicht bewusst, dass ich immer noch warte. Vor einem Jahr habe ich eine Katze getroffen, die ihm ähnelt. Osito hat mir dann mitgeteilt: „Das bin ich nicht, Maren, ich bin hier. Du wartest immer noch“. Ich sagte, ich weiß, dass du nicht wiederkommst. „Aber du wartest immer noch, du glaubst es nicht“. Bis ich hingespürt habe und feststellte, es stimmt. Da habe ich so geweint. Ich hatte es nicht begreifen können, begreifen wollen.

Osito schreibt, dass er selbst, wenn er mir ein paar Tage hintereinander geschrieben hat, immer trauriger wird und nur noch ganz kurz schreiben kann.LS 0821 S10

Die Trauer und der Schmerz, dass wir uns so nah sind beim Schreiben, aber doch nicht ganz zusammenkommen, werden immer ein Teil von mir sein und vielleicht auch von ihnen, bis wir wieder ganz zusammenkommen. Ich weiß es nicht, ob es sich in ein paar Jahren, falls ich dann immer noch hier lebe, noch transzendiert und ich noch mehr ganz oder teilweise erleuchtet fühle und diese Freude ausstrahle, dieses ganze Bewusstsein.

N: Du kannst es ja schon wahrnehmen, schon immer, so lange ich dich kenne. Aber jetzt hat sich das noch viel mehr intensiviert, durch diese kontinuierliche Beziehung.

D: Ja, Osito ist mein allerliebster Kater, mein Freund und mein Lehrer. Und die Beziehung geht nicht verloren, sie entwickelt sich immer weiter.

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