LichtSeitenSeptember page48 image87 03Mein Weg in die Weiblichkeit von Elke Marie Stoehr

Bericht über mein erstes Frauenseminar das ich selber anleitete.

Öffnung für die Weiblichkeit – Anbindung an das uralte Wissen in uns.

Am Abend vor meinem Seminar fiel mir ein Stück Stoff in die Hände. Mit diesem Stoff hatte ich vor einigen Wochen getanzt. Dabei wickelte sich der Stoff wie eine Schlange um mich. Jetzt wusste ich: Die weibliche Schlange sollte geboren werden. Sie wollte mit.

Alles war so schön vorbereitet. Als Einleitung wollte ich etwas über den Tanz von Mutter Erde im Kosmos erzählen. Über ihre Zyklen, ihre Bewegungen. Hatte extra ein schönes Poster unserer Galaxie für die Mitte gekauft und einige Bücher gelesen. Und jetzt diese Schlange. Ein wenig traurig ließ ich meine Pläne los und ließ mich auf das Neue ein. Hatte ich doch gelernt, meinen Impulsen zu vertrauen. Aber all die Stunden in Büchern lesen umsonst? Für eine Stoffschlange?

Bis in die Nacht nähte ich die Schlange. Am Morgen war sie noch ohne Leib, nur eine leere Hülle. Morgens um 10 Uhr wollte ich zum Seminarraum fahren.

Ich erinnerte mich, hier in der Nähe gibt es eine Mühle für Futtermittel. Sie hatte samstags geöffnet. Eine Frau aus meiner Gruppe begleitete mich. Nun standen wir dort mit unserer über vier Meter langen Schlange. Wir begrüßten die beiden Männer von der Mühle. „Ich brauche einen Leib für diese Schlange“, sagte ich. Die Männer machten große Augen, stellten aber keine Fragen.

Nach einer kurzen netten Beratung wählten wir Rapskörner und konnten die Schlange vor Ort befüllen. Das Schlangenende hielt ich offen. Meine Teilnehmerin – ich nenne sie Schwester – bewegte die Schlange, damit die Körner nachrutschten. Es dauerte ziemlich lange. Dabei fragte einer der Mitarbeiter: „Wofür ist diese Schlange?“

Ich antwortete: „Für mein Frauenseminar, es beginnt heute.“ Leichte Röte stieg in sein Gesicht, kein Kommentar. Aber ich war dankbar, dass er es tat. Für mich fühlte sich die Geburt dieser Schlange an, wie eine Aussöhnungsgeste zwischen Frau und Mann. Sein Kollege schaute zu uns herüber, ich schmunzelte und sagte: „Ich bin gespannt, wie viel die Schlange wiegt.“ Wir legten sie sorgsam auf die Waage: 6 kg. Es kostete 6 Euro. Und die Schlange war geboren.

Sie begleitete uns vier Samstage durch das Seminar. Sie veränderte sich jedes Mal ein wenig, häutete sich zwischendurch und wurde immer lebendiger.

Als Symbol für die weibliche Spiritualität half sie uns, die Kundalini in uns zu wecken. Sie erinnerte uns an weiche, geschmeidige Bewegungen und intensives Wahrnehmen über das Spüren unserer Körperzellen.

Das Seminar forderte mich liebevoll auf, alles Neue willkommen zu heißen, dem Geschehen freien Raum zu geben. So lernte ich immer wieder loszulassen, meinen Gefühlen zu vertrauen. Ich lernte mehr Raum zu lassen für tiefe entspannende Phasen. Diese Zeit, in der die Zellen ganz weich werden, ist so wertvoll für die Erinnerung an unser Zellwissen.

Am letzten Samstag ließ ich ein Drittel meiner Planung weg. Innerlich ganz berührt, wie weit, weich und vertrauensvoll unser Miteinander sich entwickelt hatte. Wir tanzten, malten und gestalteten mit geschlossenen Augen Tonerde. Wir räucherten im Reinigungsritual unseren Schoß und öffneten uns für das weibliche Wissen in uns. Mein Herz war ganz berührt vom liebevollen Umgang der Frauen miteinander. In unserer Pause entstand ein wunderbares gemeinsam mitgebrachtes Essen. Auch eine selbstgebackene Schlange war dabei.

Es ist meine Berufung, an der Aussöhnung von Frau und Mann mitzuwirken.

Dafür brauche ich Reife im eigenen Geschlecht.

Das heißt zunächst ganz Weib zu sein.

Danke, dass ich diese Arbeit tun darf.

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