LichtSeitenSeptember page48 image93Männergruppe – eine Erfahrung von Carsten Mantey

Mein Bedürfnis, 99 selbst eine Männergruppe zu gründen, ist damals wie heute darin begründet, dass es bei den meisten von Fachleuten geführten Gruppen sehr viele Spielregeln gibt, entweder aus den Personen heraus die sie leiten oder aus der Organisation heraus, der die Männergruppe angehört. Was ich brauche, ist Gestaltungsfreiraum und Flexibilität, wenig Ritualisiertes. Also gründete ich mit einem Freund eine freie Männergruppe, bei der jeder mal der König ist und den Abend gestaltet oder leitet, je nachdem was ihm wichtig erscheint. Schnell hat sich dann eine Vetofunktion eingeschlichen, bei der das „vorbereitete Programm“ sofort zurückgestellt wird, wenn es einem der Männer auffällig schlecht geht, er sich vielleicht gerade getrennt hat oder etwas gravierendes passiert ist. Wenn es für ihn möglich ist, bekommt er dann viel Raum, den Raum, den er braucht, damit es ihm so weit wie möglich wieder besser geht. Diese Empathie hat mir selbst oft sehr geholfen. Selbst wenn man sie nicht in Anspruch nimmt, stellt sich ein Gefühl von aufgefangen-werden ein. Vielleicht ist das, was die Gruppe oder Einzelne repräsentieren, auch ein wenig Vaterersatz für mich. Diese Spontanität ist wichtig, denn nie weiß Mann, wie geht es wem, wie geht es mir an diesem Abend und was ist gerade akut.

Ein brisantes Thema bei Männergruppen ist, wegzukommen von vernebelnden Theorien und den Kopfprodukten, bei denen wir ja sehr gut sind, hin zu der eigenen Essenz, so dass der Mann, der spricht, in seinem Sein spürbar wird. Mir persönlich ist es schon passiert, dass ich - während ein Mann gesprochen hat - eingeschlafen bin. Das ist quasi ausgeschlossen, wenn jemand direkt von seinen Emotionen und von sich spricht und von dem was ihm wahrlich im Herzen bewegt. Der Unterschied ist auch in der Gruppenenergie spürbar. Wenn jemand nur theoretisiert und von sich nur wenig zeigt, entsteht Unruhe und Abgelenktheit. Wenn jedoch ein anderer zum Beispiel seine Verletzungen oder Bedürftigkeiten offen zeigt, ist die Präsenz der ganzen Gruppe voll da, jeder ist hellwach, er ist oder wird spürbar. Die anderen gehen in Resonanz durch Mitgefühl oder haben ähnliches schon durchlebt. Dies ist oft schon so heilsam, einfach dass Mann gehört wird.

Um mehr in diesen Zustandsraum zu gelangen, sind wir im Laufe der Zeit dazu gekommen, ein Zeichen zu vereinbaren, das dem Mann, der spricht, liebevoll zeigt: „ Du schweifst etwas weg von dir in die Theorien, bitte sprich mehr von Dir“ (ein horizontales Zeichen einer schneidenden Schere). Dann erst entstehen tiefe Gespräche mit Nähe und Verbundenheit. Im Laufe der Jahre haben mich die Männergruppen, in denen ich aktiv gewesen bin (meist freie Gruppen), sehr in meinem Entwicklungsprozess begleitet. Im Spiegel dieser Gruppen wird meine persönliche Veränderung für mich selbst sichtbar. Das ging dann mal so weit, das eine Gruppe, aus der ich ausgetreten bin, eine Schweigeminute für mich eingelegt hat, was mir ein Freund erzählt hat. Das hat mich so berührt, dass ich einfach aufgeweicht bin, denn ich halte mich als viel zu unwichtig, als das ich mir so etwas vorstellen konnte.

LichtSeitenSeptember page48 image95Für mich hat sich durch diese und ähnliche Prozesse das Männerbild des „Starken Mannes“ gewandelt, der idealisiert der Fels in der Brandung ist, für alles eine Lösung hat und dann noch gern empathisch hochtragfähig sein darf. Mann Sein bedeutet nach meinem Bild, auch weich sein zu können, soll heißen, unsere Konditionierung „Indianer zeigt keinen Schmerz und Jungen weinen nicht“ aufzulösen und auch Verletzlichkeit zu zu lassen und dazu zu stehen. Denn dieser Weg führt weg von Gefühlspanzerungen und Abgetrenntheit hin zu Empathie und Mitgefühl.

Und das brauchen wir so dringend als Gegenpol in der Welt sich ausdehnenden Egoismen: Wie geht es dem Anderen, wo hol ich ihn ab, was brauche ich und was kann ich geben und was geht gerade nicht. Ja und auf dieser Basis beschäftigen wir uns auch mit den Mann- Frau –Themen und den durch die doch vorhandene Andersartigkeit entstehenden Situationen und Konflikten. Um Ein Beispiel das ich vielleicht erzählen darf ist, das einen Mann sehr beschäftigt hat, und mit seiner Familie zu tun hatte: so zu mehr Verständnis, mehr Eigenliebe und ggf. zu mehr Abgrenzung zu kommen.

Ein Beispiel darf ich vielleicht erzählen, das einen Mann sehr beschäftigt hat und mit seiner Familie zu tun hatte. Ständig wiederholte sich folgende Situation: Er kommt von der Arbeit nach Haus, meist nach mehr als 8 Stunden. Setzt sich auf das Sofa, um sich einen Moment auszuruhen. Dann aber bittet ihn seine Partnerin, einige Dinge, am besten sofort, zu erledigen, die Liste der Aufträge ist lang. Und der Mann will auch weiterhin geliebt werden, springt auf, legt los und lässt dabei sich selbst fallen, denn sein momentanes wahres Bedürfnis ist ein wahrlich anderes. Nämlich einfach mal abzuhängen und nichts zu tun oder oder oder. Aber jetzt wieder in den schon so gut bekannten Funktionsmodus zu fallen, ist nicht günstig für die Selbstliebe und führt früher oder später zu unausgesprochenen Konflikten. Und da ist es interessant zu schauen, welche wahren Gründe in ihm sind, dass er nicht einfach mal entspannt. Wir konnten ihn bestärken, sich doch mehr um sich zu kümmern, um in einen besseren Selbstfrieden einzutauchen, was dann auch mal ein liebevolles Nein erfordert. Dies weiß heute auch seine Partnerin zu schätzen. Das Thema Wertschätzung, Selbstliebe und Eigenverantwortung sind natürlich immer wieder vertreten. Wir haben mittlerweile immer wieder große Freude, uns zu treffen und der stetige Wandel darf sich weiterhin kreativ gestalten, denn es gibt hier keine Leitung, jeder gestaltet hier selbst mit. Wir haben auch keinen Raum, den wir anmieten, sondern treffen uns privat, so zeigen wir uns auch hier mit unserem Sein. Wir freuen uns auch auf Neugierige, die Gruppe ist nicht geschlossen, wir treffen uns 1 x/Monat am 1sten Dienstag.

 

Nächste Themen 2017

 Ausgabe 10 - 01.12.2017
Engel

Redaktions- und
Anzeigenschluß
der 05. November 2017

Archiv

Ausgabe 9 - 01.09.2017
weiblich - männlich

-------------------------------

Ausgabe 8 - 01.06.2017
Natur

-------------------------------

Ausgabe 7 - 01.03.2017
Macht
-------------------------------
Ausgabe 6 - 01.12.2016

Freude
-------------------------------

Ausgabe 5 - 01.09.2016
Heimat
-------------------------------

Ausgabe 4 - 01.06.2016
Gesundheit

-------------------------------

Ausgabe 3 - 01.03.2016
Gemeinschaft

-------------------------------

 Ausgabe 2 - 01.12.2015

Liebe

-------------------------------

 Ausgabe 1 - 01.09.2015
Neubeginn

-------------------------------

Alle

Unsere Partner

 

buch7 Logo 02

 

 

LFM 145x130