Nachgereichte Beiträge

LichtSeiten 17 - Thema Wandel

 

M U T A B O R: Ich werde verwandelt werden! - Gesine Paasch

Als ich noch ein kleines Mädchen war, habe ich meine Märchenschallplatten geliebt! Diese wunderschönen Geschichten aus meist fernen Ländern, mit Begriffen und Bräuchen, die mir völlig fremd waren. Und diese wunderschönen Stimmen, die mir einen Moment Glückseligkeit und heile Welt vorgaukeln konnten! Sehr fasziniert hat mich schon damals das Märchen „Kalif Storch“. Das Zauberwort dieser Geschichte, um das sich alles dreht, heißt: MUTABOR und aus dem Lateinischen übersetzt heißt es: ich werde verwandelt werden.

Nun, viele Jahrzehnte älter, bin ich bei dem Thema Wandel wieder darauf aufmerksam geworden. Und tatsächlich: so Vieles hat sich ge-/verwandelt. Zwar bin ich tief in mir noch immer das kleine Mädchen, das fasziniert ist von fernen Ländern, Begriffen und Bräuchen, aber ich habe mich auch entwickelt. Ich habe viele Meinungen von mir und über mich ändern dürfen. Die gar nicht stimmen. Haben sie denn eigentlich jemals gestimmt? Ich habe viele Menschen kennenlernen dürfen, die mich ganz anders sehen, als ich jemals tat. Das hat mir Mut gemacht, hinzugucken, welche Aussage denn stimmig ist. Manchmal ist es ein Teil von beiden.

Wandel bedeutet Veränderung, Weiterentwicklung. Für mich in einem sehr positiven Sinn. Wünsche, die ich immer schon hatte, erfüllen sich seit vielen Jahren. Und ich bin immer wieder erstaunt, dankbar und fasziniert darüber. Inzwischen wünsche ich sehr bewusst. Und: es klappt immer wieder. Immer besser. Und so werde ich in wenigen Wochen in eine Dachterrassenwohnung ziehen, die ich mir schon sehr lange wünsche.

Kritik zum Beispiel hat mich früher sehr verletzt, verzweifeln lassen. Nicht erstaunlich, wenn man kein oder wenig Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl als Kind erleben durfte. Heute kann ich gelassen damit umgehen, da ich weiß, dass mich Kritik fordert, mich weiterbringt. Ich nehme sie nicht mehr persönlich.

Wandel bedeutet für mich ebenfalls: bewusst werden. Über Dinge, über Menschen. Ich habe mich – wie ich finde – gar nicht so sehr verändert, eher weiterentwickelt, bin dankbar, achtsam und sehr bewusst in meinem Leben angekommen. Wodurch sich ganz von alleine – dachte ich – so Vieles umgekehrt hat. Letztlich ist es aber meine Einstellung, die ich mit positiven Aussagen und Gedanken beeinflussen kann und so verändert sich auch das Aussen. Auch weiß ich inzwischen, dass ich zu jeder Zeit, meine Gedanken und Wünsche wieder verändern kann. Denn auch Situationen ändern sich. Also auch meine Ziele und Wünsche. Und dann darf ich meinen Ursprungswunsch noch einmal überdenken, neu wünschen und mich freuen und dankbar sein, wenn er erfüllt ist. Dadurch bin ich verwandelt worden. Und liebe meine Märchen noch immer!

Mein Leben im Wandel - Christa Albrecht

2019 enthält die Zahl 9 - die Zahl der Integrität und Weisheit-, welche enorm auf unseren Wandel wirkt, wie wir in diesem Jahr in unserem Umfeld und auch in der Politik spüren. Auch unsere Geschichte zeigt Beispiele, wie im Jahr1989 der Mauerfall in Deutschland – die Wende -.

In meinem Leben spielte die 9 oft eine große Rolle. Ich habe mit 19 Jahren geheiratet und wurde 1989 geschieden. Mein Umzug von Ost- nach Westdeutschland war für mich ein großer Wandel –vom Sozialismus in die Marktwirtschaft. Es war für mich ein Sprung ins kalte Wasser.

In diesem Jahr spüre ich den Wandel erheblich. Meine Ehe veränderte sich in der Form, dass mein Mann und ich zu unterschiedliche Interessen haben und getrennte Wege gehen. Im Grunde wusste ich es schon länger, jedoch wollte ich es mir in keiner Weise eingestehen. Es ist meine 3. Ehe und ich sollte es doch endlich begriffen haben, wie das Eheleben funktioniert. Ich hatte zwar einen Junggesellen geheiratet, sagte mir jedoch, ich werde schon den richtigen Weg für uns finden.

Bei der Fastenwanderung im Frühjahr diesen Jahres sagte mir eine Bekannte auf den Kopf zu: „Du bist co-abhängig“. Diese Aussage traf mich wie ein Blitz. Bei anderen Personen ist mir die Co-abhängigkeit aufgefallen, aber bei mir……..

Die Zeit des Wandels war für mich gekommen. Als ich nach Hause kam, teilte ich meinem Mann schriftlich mit, dass ich meinen Lebensweg künftig ohne ihn gehen werde. Er antwortete mir, dass er ein Einzelgänger sei und dieses Leben wieder führen wolle.

Ich stellte fest, dass sich bei uns beiden der gegenseitige Druck aufgelöst hatte. Er hatte in mir immer häufiger seine Mutter gesehen und ich wollte einen liebevollen Ehemann, was er nicht konnte.

Seitdem lassen wir uns gegenseitig mehr Freiheit, unsere Beziehung läuft wesentlich entspannter und wir bereiten gemeinsam den Auszug jeder in seine Wohnung vor. Ich freue mich auf den Umzug in meine neue Wohnung in meiner Heimat, in die Nähe meiner Familie und einem anderen spannenden Umfeld.

Ich bin dankbar, dass ich den Weg zu M I R gefunden habe.

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Innerer Wandel - Margitta Maria Kröner

Wenn ich mir so die Jahreszeiten anschaue am Beispiel eines Baumes, dann wird mir bewußt, welche Zyklen das Baum- Leben und auch unser Menschenleben durchläuft. Von der Geburt, dem Wachstum und Blühen, der Blüte und den getragenen Früchten, der Fortpflanzung bis zum Loslassen und Ruhen im Herbst und Winter. Ständige Veränderung ist in der Natur zu beobachten, aber uns Menschen fällt es oft nicht leicht uns zu verändern. Das Leben fordert aber manchmal Veränderung von uns: Wenn ein uns lieber Mensch verstorben ist müssen wir uns neu orientieren. Oder wenn eine Arbeitstelle verloren geht, wenn die Kindheit zu Ende geht, wir als Frau im Wechsel stehen, oder wir alt werden und mit Krankheit und Tod konfrontiert sind.

Im Wandel sein, sich neu erfinden wie zum Beispiel in einer neuen Lebensphase braucht Mut! Sich innerlich zu wandeln, zu verändern, ist wohl das Schwierigste was ein Mensch vorhaben kann.
Mir begegnet das Wandelbare immer wieder in der Beobachtung der Natur. Die Jahreszeiten haben für mich eine Entsprechung im Menschlichen.

Wenn wir uns ver-wandeln wollen, verändern, heil-ig werden wollen, müssen wir unseren Blick nach innen wenden. Soviel ist mir klar! Es gibt viele Beispiele für Wandlung: Eine Schlange die sich häutet, eine Raupe die sich zum Schmetterling verpuppt, die Wandlung in der Eucharistie, und sogar unser Körper erneuert und wandelt sich ständig in regelmäßigen Abständer durch die Zellerneuerung. Diese könnte nie stattfinden ohne das Element Wasser. Wie könnte Leben entstehen und gedeihen ohne es. Dieses Wunderelixier, das alles Lebendige auf der Erde am Leben erhält. Wasser ist das wandelbarste oder wandlungsfähigste bekannte Element. Seit den Beschreibungen des japanischen Autors Emoto ist uns auch die wunderschöne innere Struktur des Wassers bekannt.

Ich spüre eine starke Verbindung zu mir Selbst und Gott in der Verbindung mit der Natur. Wenn ich mich einspüre und einlasse auf die innere Begegnung mit einem Baum, einem Vogel oder einem Sonnenuntergang.

Manchmal, wenn ich einen Baum sehe, fange ich an zu Tanzen.Meist an einsamen Orten, wo man mit sich und der Umgebung alleine sein kann.Dann fliesst es nur so aus mir heraus. Ich sehe wie eine Wolke sich verschiebt oder höre wie der Wind durch die Blätter weht und sie leise klingen lassen. Ich trete in Verbindung mit der Schöpfung des Augenblicks. Aus diesen Impulsen heraus entstehen Gedichte, Melodien und Tänze. Ich bewege mich zum göttlichen Gesang der Wurzeln. Tauche ein in die Welt der Farne, liebäugele mit den Rehen und atme die schwere Luft des Waldbodens nach dem Regen ein.

Meistens suchen wir Menschen zu sehr im Außen und vergessen unserer inneren Stimme zu zuhören. Der gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Wandel unserer Zeit gibt uns auch entsprechend Anlass dazu.

Wenn ich mich zu sehr überflutet fühle von den Nachrichten über Krieg, Flüchtlingssterben im Mittelmeer oder Umweltverschmutzung, dann bleibt nur der Weg ins Innehalten und dem Leben im „Jetzt“. In die Stille hören, im Moment sein, beten, meditieren und mich erden. Dann gehe ich in den Wald und nehme das Bild eines Baumes mit seinen Wurzeln ganz bewußt wahr. Innere Wandlung vollzieht sich für mich immer in Stille.

Glaube mir, es gibt kein Ziel, noch einen Weg dort hin.
Du bist der Weg und das Ziel, es gilt nichts zu erreichen außer dir Selbst.
Alles was du brauchst, ist zu verstehen, und das Verstehen ist das Erblühen der Seele.
Der Baum ist beständig, aber das Blühen und Früchte tragen ist wiederkehrend.
Die Jahreszeiten wechseln, aber nicht der Baum.
Du bist der Baum.
Aus dir sind zahllose Äste und Blätter in der Vergangenheit erwachsen, und  sie werden auch in Zukunft wachsen, aber du bleibst.
Nicht was war, oder sein wird, musst du wissen, nur was (jetzt) ist.
Deine Sehnsucht kreiert das Universum.
Wisse die Welt ist deine eigene Schöpfung und du bist frei.
(Sri Nisargadatta Maharaj)

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Die Welt im Wandel - Regina Nana Schimazek      

Mit Jugendlichen einer berufsintegrierenden Schule für Autisten sah ich den Film: Tomorrow (Die Welt ist voller Lösungen). Am Ende dieses Dokumentarfilms bemerkte ich teils nachdenkliche, ja begeisterte Gesichter, es ging ihnen so wie mir. Die anschließende Diskussion war atemberaubend.

Ich möchte betonen, dass zu diesem Zeitpunkt auch mein Wandel begann. Bislang dachte ich, dass die soziale Arbeit in meinem Leben ausreicht, nun gut, jetzt habe ich meine langjährige Einstellung insofern geändert, dass ich auch in anderen Bereichen tatkräftig mitmische.So freue ich mich, dass immer mehr Menschen bereit sind ins positive Zukunftsboot mit einzusteigen.

Wir sehen, dass die Jugend aufsteht und für den Erhalt der Mutter Erde nicht nur demonstriert, sondern auch die Ärmel hochkrempelt.

  • Greta Thunberg (Fridays for Future-Aktivistin), 16 Jahre, engagiert sich für den Klimaschutz. Sie folgt einer Einladung von 2 Segelprofis, Boris Herrmann und Pierre Casiraghi, anzuheuern auf einer der modernsten Hochseeyachten (Malizia II) und klimaneutral in 2 Wochen über den Atlantik nach New York zum Klimagipfel der Vereinten Nationen am 23.September zu segeln, danach im Dezember nach Santiago de Chile zur UN Klimakonferenz weiter zu reisen. Ihr Vater und ein Filmemacher begleiten die mutige junge Frau. (Quelle: Berliner Kurier und andere)
  • In diesem Zusammenhang möchte ich Ecosia von Christian Kroll erwähnen, eine Suchmaschine für´s Internet, von dessen Gewinn bereits 63.000.000 Bäume gepflanzt wurden, dies ist ein Weltprojekt, die grüne Lunge der Erde von Morgen.
  • Boyan Slat, 23 Jahre, entwickelt das größte Meeresreinigungssystem:The ocean cleanup, um vor allem Plastik aus den Weltmeeren aufzunehmen. Er fand für sein Projekt Sponsoren, die 40 Millionen Dollar dafür einsetzten. (Quelle: https://www.welt.de)
  • Nach einem Volksbegehren in Bayern, nimmt der Landtag ein neues Gesetz auf. Rund 1,75 Millionen Menschen forderten im Projekt „Rettet die Bienen“ mit ihrer Unterschrift eine ökologische Neuausrichtung. Diese Fakten wurden ins Bayerische Naturschutzgesetz aufgenommen:

-         ökologische Landwirtschaft soll stärker ausgebaut werden

-         mehr Blühwiesen sollen entstehen

-         weniger Pestizide eingesetzt

-         Randstreifen (Brutplätze) um Gewässer besser geschützt und

-         Biotope intensiver vernetzt werden

-         Es handelt sich dabei um das erfolgreichste Volksbegehren in der Geschichte Bayerns! (Quelle: Spiegel online)

Dies sind nur Beispiele, im neuen Bewusstsein gibt es immer mehr Frauen, Jugendliche und Männer jeden Alters, die sich einsetzen für eine lebbare Zukunft. Die Zeit drängt, sagen nicht nur die Klimaforscher…..20 Jahre….!

Gehen wir auf Entdeckungsreise, was jede(r) beitragen kann. Denn die Welt ist voller Lösungen!

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Die geheime Botschaft der kleinen Raupe NimmersattMeiken Osenegg

Wer kennt sie nicht die kleine Raupe Nimmersatt von Eric Carle...Gefräßig und entschlossen frisst sie sich Seite für Seite durch Eis, Kuchen, Bonbons, Salat und vieles mehr. Sie wächst und wächst, zwischendurch plagt sie Erschöpfung und Übelkeit. Doch zu guter Letzt geschieht die überraschende Verwandlung, aus der Raupe wird ein bunter, zarter Schmetterling! Der Schmetterling gibt Kindern Zuversicht zu wachsen und groß zu werden, eigene Talente zu entfalten und in die Welt hinaus zu gehen. Das ist die geheime Botschaft, so Eric Carle in einem Interview. Der Autor erzählt nicht nur von einer hungrigen Vorform des Schmetterlings, sondern von der Entwicklung des Lebens und ihrer farbenprächtigen Schönheit.
Jede Veränderung braucht einen Anfang.
Bei mir zeigte sich mein Aufbruch in einer latenten Unzufriedenheit, so erzählte ich eines Tages einem Freund, in meinem Leben ist nichts wirklich stimmig... Mein Arbeitsplatz und den damit verbundenen Bedingungen gefiel mir nicht mehr, die gerade neu bezogene Wohnung passte nicht mehr zu mir und der Praxisraum hatte auch eine Energie die nicht mit meiner resonierte...In den Augen meines Freundes sah ich Überraschung, Betroffenheit und Ratlosigkeit. Das tut mir Leid, sagte er. Die Tatsache, dass keine Ratschläge oder Beschwichtigungsversuche kamen, tat mir gut und markierte den Ernst der Lage...Eine Seite in mir sagte, komm es ist doch alles gar nicht so schlimm, lass doch alles wie es ist, wer weiß vielleicht wird alles nur noch schlimmer. Und schlimm ist es nun wirklich nicht...Die andere Stimme sagte, weder das Wohnen in enger Nachbarschaft noch das Arbeiten in einer Praxis im 4.Stock passt zu deinem Bedürfnis nach Erdung, Natur, Leichtigkeit und Freude. Auch die Arbeit am Wochenende in der Klinik mit schwer betroffenen Menschen erfüllte mich nicht mehr und zeigte mir eher Defizite und den Notstand in der Pflege auf. Lebenskrise oder Aufbruchsstimmung? Ich entschied mich für den Aufbruch, die Absicht, Mut und Vertrauen halfen mir bei der Umsetzung meiner Vision. Innerhalb von einem Jahr bezog ich eine neue, wunderbare Wohnung auf dem Land in einer alten Meierei, kündigte meinen Job und fand eine neue Tätigkeit auf einer Entbindungsstation, was schon immer mein Traum war...Auch einen neuen Praxisraum in guter Lage mit Blick in einen kleinen verwunschenen Garten wurde mir über eine Freundin vermittelt. Meine Lebensqualität hat sich enorm verbessert und ich bin dankbar, zufrieden und glücklich, mich noch mal komplett gehäutet zu haben. Genau wie die kleine Raupe Nimmersatt fühlte ich einen starken Impuls, dem ich nachging. Auch kenne ich auf dem Weg das Gefühl von Enge, Übelkeit, Angst und Erschöpfung. Umso mehr genieße ich die gewonnene Freiheit.

Wachstumsprozesse müssen nicht zwangsläufig mit äußeren Veränderungen einhergehen. Es kann auch darum gehen, Muster zu verändern, Glaubenssätze zu verabschieden oder sich selber lieben zu lernen. In jedem Fall ist Wachstum ein lebenslanger Prozess, der zum Glück meistens schubweise verläuft...

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LichtSeiten 16 - Thema KLANG

Der Klang deiner Stimme - Margitta Maria Kröner

Man kann es nicht begreifen. Und wenn man es selbst erlebt, ist es wie eine Taubheit und ein Unglauben, der einen erfasst. 
Tot? Du bist tot?
Was ist passiert? Wie konnte das geschehen, in deinem Alter?
Viele Fragen, rational beantwortet oder nicht, erst mal Kontakt aufnehmen mit den Anderen, ja, Unglauben allerseits und überall. 

Es ist die einfache Wahrheit - du bist gegangen.
Tage vergehen, Alltag, Tränen, Trauer und dann traf es mich wie mit einem Speer mitten ins Herz: Der Gedanke an

Deine Stimme

Die mir so nahe ist 
die mich beruhigt hat 
die ich bis ins kleinste Dezibel wahrgenommen und 
deren Resonanz ich
mit all meinen Zellen, in meinem Körper aufgenommen habe. 

Deine Stimme 

soll ich nie wieder hören?

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MeeresrauschenNuriama Lichterstein

In meiner Hand halte ich die OceanDrum – sieht aus wie eine Trommel und klingt wie Meeresrauschen. Sacht bewege ich sie und versinke Stück für Stück in dem beruhigenden Klang von rauschenden Wellen. Meine Gedanken werden ruhig, meine Anspannung löst sich Stück für Stück. Dann steigt eine Erinnerung auf und ich fühle mich 35 Jahre zurückversetzt: Damals arbeitete ich als Feinmechanikerin in einer sehr kleinen, mit Maschinen vollgestopften Werkstatt. Über dem geballten Maschinenlärm dröhnte zur Krönung auch noch den ganzen Tag das Radio.
Abends war ich – trotz Ohrschützer - von diesem Lärm völlig erschöpft und überdreht zugleich und das beste Heilmittel dafür war ein Halt auf meiner Rückfahrt: Ich setzte oder legte mich auf den Elbstrand, schloss die Augen und lauschte nur noch auf das sanfte, ebenmäßige und doch nie ganz gleiche Schwappen, Plätschern und leise Klatschen der Wellen in der Elbe. Nach 20 – 30 Minuten hatte der Klang des Rauschens in meinem Innern wieder eine Ordnung erschaffen, hatte mich wieder in irgendeine Art von Ein-Klang zurückgebracht. Ich konnte weiter nach Hause fahren. Heilsames Meeresrauschen…

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Der Klang des SchweigensMargitta Maria Könert
Begegnung am Ostermontag

Ostermontag, Ich fahre U-Bahn in Hamburg.

Die Ostergesänge in der Kirche klingen noch nach, jetzt bin ich auf dem Weg zum Ostermarsch.

Die U-Bahn-Wagons sind hintereinander gereiht aber durch die Glasfenster verbunden, man kann in die anderen hineinschauen.
Im Wagon vor mir fällt mir ein älteres Männlein auf, weil er so liebevoll lächelt.
Ein weises braungebranntes Gesicht mit vielen Lachfalten. Ein freundliches, sichtbares Lächeln.

Dann steigt der Mann in den hinteren Wagon in dem ich sitze um und kommt auf mich zu.
Erst jetzt erkenne ich: Es ist ein Bettler. Er geht umher, in der Hand einen Kaffebecher aus Papier den er von Zeit zu Zeit schüttelt und die Münzen klimpern läßt.

Er sagt nichts.

Als er an mir vorbei kommt und ich weiß, ich kann ihm nichts geben, schaue ich ihn an, lächle und lege meine Hand auf mein Herz und werfe ihm einen entsprechenden Blick zu. Unsere Blicke treffen sich, Wir blicken uns an, er lächelt mich an , er versteht, , und als er weitergeht, an mir vorbei geht, tätschelt er mich liebevoll an der Schulter.

Ich tätschele ihn am Arm zurück, ohne Worte.

Mir wird ganz warm ums Herz. Dann kommt meine Station, die Bahn ist voll, ich sehe ihn nicht mehr.

Als ich dann aussteige, sehe ich ihn an der Rolltreppe stehen. Ich lächle ihn an. Plötzlich fährt er mit seiner Hand meinen Arm hinunter, greift nach meiner Hand, beugt sich herunter und küsst meine Hand!

Ich fahre ja schon nach oben, und bin wie vom Unglauben getroffen, was war da passiert? Wer war der Mann?

Dann erinnerte ich mich an sein Lächeln. Ich hatte ihn früher schon einmal gesehen. Er stand damals an einer Ampel und hat ebenso seinen Becher hochgehalten.Ich gab ihm aus dem Autofenster heraus zwei Euro und ich erinnere mich auch an seine Dankbarkeit.

Aber jetzt, gab ich ihm doch gar nichts!

Doch ich gab ihm ein Lächeln und mein darin enthaltenes Verstehen. Diese Herzensgeste schien zwischen uns eine viel tiefere Kommunikation zu sein, als alle Worte.

So klang diese Begegnung mit dem Mann noch lange in mir nach.....ganz ohne Worte

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LichtSeiten 14 - Thema FREIHEIT

Persönliche Freiheit - Margitta Maria Kröner
Ja, Frei-Sein, Freiheit, Selbstverwirklichung, ist für mich schon immer ein großes Thema gewesen.

Freiheit, das bedeutet:
Freiheit – Unabhängigkeit
Freiheit – Selbstbestimmung
Freiheit – Kreativ sein dürfen
Freiheit – keinen gesellschaftlichen Zwängen unterliegen
Ja -!

Und besonders spüre ich das – im Tanz!

Das Gedicht von Augustinus begleitet mich schon seit langer Zeit. Es drückt für mich die absolute Quintesenz, den Geist des Tanzes aus. Besonders aber den spirituellen Aspekt darin! Der Tanz hat transzendierende und transformierende Eigenschaften. Er holt uns aber auch in die Gegenwart hinein. Er bringt uns in die Gemeinschaft mit anderern und in den Kontakt mit uns selbst!

Seine Worte sind umso erstaunlicher, als dass sie vor sehr langer Zeit geschrieben worden sind, und uns Zeit-los auch heute noch nachvollziehbar und gültig erscheinen.

Wann genau die Worte des Philosophen, Redners und Bischofs formuliert worden sind ist nicht bekannt. In der neueren Zeit wird sogar angezweifelt, dass er diese Zeilen selbst geschrieben haben soll. Man weiß aber, dass der Kirchenmann erst ein weltliches, und nach einer Erweckung, ein geistliches Leben geführt hat.

Ich lobe den Tanz

Ich lobe den Tanz
denn er befreit den Menschen von der Schwere der Dinge
bindet den Vereinzelten an die Gemeinschaft

Ich lobe den Tanz
der alles fordert und fördert
Gesundheit und klaren Geist
und eine beschwingte Seele

Tanz ist Verwandlung
des Raumes, der Zeit, des Menschen

der dauernd in Gefahr ist
zu zerfallen ganz Hirn
Wille oder Gefühl zu werden

Der Tanz dagegen fordert
den ganzen Menschen
der in seiner Mitte verankert ist
der nicht besessen ist
von der Begehrlichkeit
nach Menschen und Dingen
und von der Dämonie
der Verlassenheit im eigenen Ich

Der Tanz fordert
den befreiten, den schwingenden
Menschen im Gleichgewicht aller Kräfte

Ich lobe den Tanz

O Mensch lerne tanzen,
sonst wissen die Engel
im Himmel mit dir
nichts anzufangen!

Augustinus  (354 – 430)

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Gebet - Sabina Timm

Lieber Vater-Mutter-Gott!

Ich danke Dir für die besondere Zugabe des freien Willens und ich danke Dir dafür, daß ich mich im Inneren und Äußeren immer freier fühlen kann und ich bitte Dich aus ganzem Herzen um den Mut, mich in jedem Moment für die Liebe zu entscheiden und um den Mut und die Hingabe, die Ermächtigung in Deinem Sinne im Einklang mit Dir, dem höchsten Bewußtsein, zu entfalten und zu erfüllen!

Amen! So sei es!

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LichtSeiten 13 - Thema Tod und Sterben

tod und sterben - swami amanojas

als ich kind war, vielleicht so vier oder fünf jahre alt, standen meine mutter und ich an der bushaltestelle, hinter der sich ein kaufhaus mit kugelsicheren schaufenstern befand. eine nachbarin, frau p., ersetzte mir zu der zeit die großmutter. Frau p. hatte einen schwerkranken bruder.

als meine mutter beiläufig erwähnte, „frau ps. bruder stirbt“, fiel mein blick auf eine stelle im schaufenterglas, die wohl ein hammer oder pflasterstein getroffen haben musste, denn sie war voller risse und splisse, und so verschmolzen wort -stirbt- und diese -risse- im glas zu einer einheit und prägten sich tief in mein kindliches bewußtsein ein.

der nächste todesfall war dann jahre später meine großmutter, die friedlich einschlief sowie ein nachbarjunge, der einen tödlichen mofaunfall erlitt.

in beiden fällen, durfte ich die leiche nicht sehen. und mit dem tode meiner großmutter verbinde ich ein muffiges krankenzimmer im altbau unserer städtischen klinik und eine noch muffigere kleine friedhofskapelle.

mein erster hautnaher kontakt mit dem tode erfolgte 1982, da war ich praktikant in ebendieser klinik auf der inneren intensivstation. wir hatten einen schwerkranken patienten hoch in den achzigern, den die ärzte leider noch mit elektroschocks behandelten, anstatt in friedlich einschlafen zu lassen. 

da wurde ich zum ersten male bewusst und als erwachsener mit trauer und verzweiflung konfrontiert. zuvor als kind hatte ich nur die trauer meiner mutter wahrgenommen, als ihre mutter, meine großmutter, gestorben war, und ich als kind war hilflos, denn ich konnte sie nicht trösten.

hier nun hatte ich links die tochter und rechts den sohn des sterbenden alten herren im arm und meine offizielle aufgabe als praktikant lautete - trösten.

der mann war trotz aller sinnloser ärztlicher bemühungen, die ihm das sterben sicher nicht erleichtert haben, gestorben, und ich, der ich noch nie eine menschliche leiche gesehen, geschweige denn berührt hatte, ging zu meiner stationsschwester und brachte eine mir ungewöhnlich erscheinende bitte vor.

darf ich den verstorbenen sehen und berühren? so, nun war es heraus. die schwester runzelte irritiert die stirn, überlegte einen kurzen moment und nickte dann.

jetzt kam für mich der große moment, und ich meine das ernst und feierlich. meine erste menschliche leiche. kalt und blass lag er da, der alte herr, etwas würdevolles lag in seinen gesichtszügen, ein wenig wie schlafen und doch ein wenig mehr, haut eiskalt, die wangen und augen eingefallen, die nase spitz und blaß. ich war tief berührt! das also war der tod.

wann immer nun während meines zweimonatigen praktikums menschen starben, durfte ich sie danach von allen schläuchen, pflastern und medizinischen geräten befreien, ihnen die augen schließen, mit feuchten wattebäuschen beschweren, und das nach dem letzten ausatmen herabgesunkene kinn vorsichtg hochbinden.

die angehörigen, die sich von ihren liebsten verabschieden wollten sollten in keine gebrochenen augen und keine geöffneten münder schauen müssen. 

dann kam der zweite und für mich noch weitaus bedeutendere schritt. hatte ich dem tod als tatsache jetzt schon einigemmale begegnen dürfen, so ging es jetzt darum, sterbende menschen, die keine angehörigen mehr hatten, während des sterbevorganges zu begleiten.

da saß ich nun also mit meinen 21 jahren am bett von menschen, die ihren letzten irdischen weg gingen. wer schon einmal eine wachsfigur, so täuschend lebensecht sie auch ausschauen mag, gesehen hat, kann nachvollziehen wie in dem moment, da im letzten ausatmen das leben den körper verlässt, aus einem menschen im bruchteil einer sekunde eine solche wachsgestalt wird.

doch als ich dieses wunder zum ersten male hautnah erleben durfte, das wunder des lebens, das sich aus einem menschlichen körper zurückzieht, da war es ein moment der andacht und tiefster stille.

noch einigemale habe ich in diesen zwei monaten sterbenden menschen bis zum tode beistehen und ihre hand halten dürfen, und immer wieder kam diese andacht, diese stille über mich.

wir werden geboren, wir atmen ein! wir sterben, wir atmen aus! im altindischen im sanskrit heißt die seele -atman- klingt das im indogermanischen nicht wie das deutsche -atmen-?

wir werden geboren, wir sterben, dazwischen ist ganz viel l e b e n .

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LichtSeiten 10 - Thema ENGEL

Lasst Engel sprechen von Renate Schley

Wenn brennende Himmel
den Felsen begegnen
wer wird dann den Engel
des Mondscheins segnen?
Lasst Engel in allen Sprachen
sprechen
und ihre Flügel singen
damit wir Menschen mit ihnen
schwingen.

Copyright: Renate Schley 2017