Nachgereichte Beiträge

LichtSeiten 16 - Thema KLANG

Der Klang deiner Stimme - Margitta Maria Kröner

Man kann es nicht begreifen. Und wenn man es selbst erlebt, ist es wie eine Taubheit und ein Unglauben, der einen erfasst. 
Tot? Du bist tot?
Was ist passiert? Wie konnte das geschehen, in deinem Alter?
Viele Fragen, rational beantwortet oder nicht, erst mal Kontakt aufnehmen mit den Anderen, ja, Unglauben allerseits und überall. 

Es ist die einfache Wahrheit - du bist gegangen.
Tage vergehen, Alltag, Tränen, Trauer und dann traf es mich wie mit einem Speer mitten ins Herz: Der Gedanke an

Deine Stimme

Die mir so nahe ist 
die mich beruhigt hat 
die ich bis ins kleinste Dezibel wahrgenommen und 
deren Resonanz ich
mit all meinen Zellen, in meinem Körper aufgenommen habe. 

Deine Stimme 

soll ich nie wieder hören?

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MeeresrauschenNuriama Lichterstein

In meiner Hand halte ich die OceanDrum – sieht aus wie eine Trommel und klingt wie Meeresrauschen. Sacht bewege ich sie und versinke Stück für Stück in dem beruhigenden Klang von rauschenden Wellen. Meine Gedanken werden ruhig, meine Anspannung löst sich Stück für Stück. Dann steigt eine Erinnerung auf und ich fühle mich 35 Jahre zurückversetzt: Damals arbeitete ich als Feinmechanikerin in einer sehr kleinen, mit Maschinen vollgestopften Werkstatt. Über dem geballten Maschinenlärm dröhnte zur Krönung auch noch den ganzen Tag das Radio.
Abends war ich – trotz Ohrschützer - von diesem Lärm völlig erschöpft und überdreht zugleich und das beste Heilmittel dafür war ein Halt auf meiner Rückfahrt: Ich setzte oder legte mich auf den Elbstrand, schloss die Augen und lauschte nur noch auf das sanfte, ebenmäßige und doch nie ganz gleiche Schwappen, Plätschern und leise Klatschen der Wellen in der Elbe. Nach 20 – 30 Minuten hatte der Klang des Rauschens in meinem Innern wieder eine Ordnung erschaffen, hatte mich wieder in irgendeine Art von Ein-Klang zurückgebracht. Ich konnte weiter nach Hause fahren. Heilsames Meeresrauschen…

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Der Klang des SchweigensMargitta Maria Könert
Begegnung am Ostermontag

Ostermontag, Ich fahre U-Bahn in Hamburg.

Die Ostergesänge in der Kirche klingen noch nach, jetzt bin ich auf dem Weg zum Ostermarsch.

Die U-Bahn-Wagons sind hintereinander gereiht aber durch die Glasfenster verbunden, man kann in die anderen hineinschauen.
Im Wagon vor mir fällt mir ein älteres Männlein auf, weil er so liebevoll lächelt.
Ein weises braungebranntes Gesicht mit vielen Lachfalten. Ein freundliches, sichtbares Lächeln.

Dann steigt der Mann in den hinteren Wagon in dem ich sitze um und kommt auf mich zu.
Erst jetzt erkenne ich: Es ist ein Bettler. Er geht umher, in der Hand einen Kaffebecher aus Papier den er von Zeit zu Zeit schüttelt und die Münzen klimpern läßt.

Er sagt nichts.

Als er an mir vorbei kommt und ich weiß, ich kann ihm nichts geben, schaue ich ihn an, lächle und lege meine Hand auf mein Herz und werfe ihm einen entsprechenden Blick zu. Unsere Blicke treffen sich, Wir blicken uns an, er lächelt mich an , er versteht, , und als er weitergeht, an mir vorbei geht, tätschelt er mich liebevoll an der Schulter.

Ich tätschele ihn am Arm zurück, ohne Worte.

Mir wird ganz warm ums Herz. Dann kommt meine Station, die Bahn ist voll, ich sehe ihn nicht mehr.

Als ich dann aussteige, sehe ich ihn an der Rolltreppe stehen. Ich lächle ihn an. Plötzlich fährt er mit seiner Hand meinen Arm hinunter, greift nach meiner Hand, beugt sich herunter und küsst meine Hand!

Ich fahre ja schon nach oben, und bin wie vom Unglauben getroffen, was war da passiert? Wer war der Mann?

Dann erinnerte ich mich an sein Lächeln. Ich hatte ihn früher schon einmal gesehen. Er stand damals an einer Ampel und hat ebenso seinen Becher hochgehalten.Ich gab ihm aus dem Autofenster heraus zwei Euro und ich erinnere mich auch an seine Dankbarkeit.

Aber jetzt, gab ich ihm doch gar nichts!

Doch ich gab ihm ein Lächeln und mein darin enthaltenes Verstehen. Diese Herzensgeste schien zwischen uns eine viel tiefere Kommunikation zu sein, als alle Worte.

So klang diese Begegnung mit dem Mann noch lange in mir nach.....ganz ohne Worte

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LichtSeiten 14 - Thema FREIHEIT

Persönliche Freiheit - Margitta Maria Kröner
Ja, Frei-Sein, Freiheit, Selbstverwirklichung, ist für mich schon immer ein großes Thema gewesen.

Freiheit, das bedeutet:
Freiheit – Unabhängigkeit
Freiheit – Selbstbestimmung
Freiheit – Kreativ sein dürfen
Freiheit – keinen gesellschaftlichen Zwängen unterliegen
Ja -!

Und besonders spüre ich das – im Tanz!

Das Gedicht von Augustinus begleitet mich schon seit langer Zeit. Es drückt für mich die absolute Quintesenz, den Geist des Tanzes aus. Besonders aber den spirituellen Aspekt darin! Der Tanz hat transzendierende und transformierende Eigenschaften. Er holt uns aber auch in die Gegenwart hinein. Er bringt uns in die Gemeinschaft mit anderern und in den Kontakt mit uns selbst!

Seine Worte sind umso erstaunlicher, als dass sie vor sehr langer Zeit geschrieben worden sind, und uns Zeit-los auch heute noch nachvollziehbar und gültig erscheinen.

Wann genau die Worte des Philosophen, Redners und Bischofs formuliert worden sind ist nicht bekannt. In der neueren Zeit wird sogar angezweifelt, dass er diese Zeilen selbst geschrieben haben soll. Man weiß aber, dass der Kirchenmann erst ein weltliches, und nach einer Erweckung, ein geistliches Leben geführt hat.

Ich lobe den Tanz

Ich lobe den Tanz
denn er befreit den Menschen von der Schwere der Dinge
bindet den Vereinzelten an die Gemeinschaft

Ich lobe den Tanz
der alles fordert und fördert
Gesundheit und klaren Geist
und eine beschwingte Seele

Tanz ist Verwandlung
des Raumes, der Zeit, des Menschen

der dauernd in Gefahr ist
zu zerfallen ganz Hirn
Wille oder Gefühl zu werden

Der Tanz dagegen fordert
den ganzen Menschen
der in seiner Mitte verankert ist
der nicht besessen ist
von der Begehrlichkeit
nach Menschen und Dingen
und von der Dämonie
der Verlassenheit im eigenen Ich

Der Tanz fordert
den befreiten, den schwingenden
Menschen im Gleichgewicht aller Kräfte

Ich lobe den Tanz

O Mensch lerne tanzen,
sonst wissen die Engel
im Himmel mit dir
nichts anzufangen!

Augustinus  (354 – 430)

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Gebet - Sabina Timm

Lieber Vater-Mutter-Gott!

Ich danke Dir für die besondere Zugabe des freien Willens und ich danke Dir dafür, daß ich mich im Inneren und Äußeren immer freier fühlen kann und ich bitte Dich aus ganzem Herzen um den Mut, mich in jedem Moment für die Liebe zu entscheiden und um den Mut und die Hingabe, die Ermächtigung in Deinem Sinne im Einklang mit Dir, dem höchsten Bewußtsein, zu entfalten und zu erfüllen!

Amen! So sei es!

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LichtSeiten 13 - Thema Tod und Sterben

tod und sterben - swami amanojas

als ich kind war, vielleicht so vier oder fünf jahre alt, standen meine mutter und ich an der bushaltestelle, hinter der sich ein kaufhaus mit kugelsicheren schaufenstern befand. eine nachbarin, frau p., ersetzte mir zu der zeit die großmutter. Frau p. hatte einen schwerkranken bruder.

als meine mutter beiläufig erwähnte, „frau ps. bruder stirbt“, fiel mein blick auf eine stelle im schaufenterglas, die wohl ein hammer oder pflasterstein getroffen haben musste, denn sie war voller risse und splisse, und so verschmolzen wort -stirbt- und diese -risse- im glas zu einer einheit und prägten sich tief in mein kindliches bewußtsein ein.

der nächste todesfall war dann jahre später meine großmutter, die friedlich einschlief sowie ein nachbarjunge, der einen tödlichen mofaunfall erlitt.

in beiden fällen, durfte ich die leiche nicht sehen. und mit dem tode meiner großmutter verbinde ich ein muffiges krankenzimmer im altbau unserer städtischen klinik und eine noch muffigere kleine friedhofskapelle.

mein erster hautnaher kontakt mit dem tode erfolgte 1982, da war ich praktikant in ebendieser klinik auf der inneren intensivstation. wir hatten einen schwerkranken patienten hoch in den achzigern, den die ärzte leider noch mit elektroschocks behandelten, anstatt in friedlich einschlafen zu lassen. 

da wurde ich zum ersten male bewusst und als erwachsener mit trauer und verzweiflung konfrontiert. zuvor als kind hatte ich nur die trauer meiner mutter wahrgenommen, als ihre mutter, meine großmutter, gestorben war, und ich als kind war hilflos, denn ich konnte sie nicht trösten.

hier nun hatte ich links die tochter und rechts den sohn des sterbenden alten herren im arm und meine offizielle aufgabe als praktikant lautete - trösten.

der mann war trotz aller sinnloser ärztlicher bemühungen, die ihm das sterben sicher nicht erleichtert haben, gestorben, und ich, der ich noch nie eine menschliche leiche gesehen, geschweige denn berührt hatte, ging zu meiner stationsschwester und brachte eine mir ungewöhnlich erscheinende bitte vor.

darf ich den verstorbenen sehen und berühren? so, nun war es heraus. die schwester runzelte irritiert die stirn, überlegte einen kurzen moment und nickte dann.

jetzt kam für mich der große moment, und ich meine das ernst und feierlich. meine erste menschliche leiche. kalt und blass lag er da, der alte herr, etwas würdevolles lag in seinen gesichtszügen, ein wenig wie schlafen und doch ein wenig mehr, haut eiskalt, die wangen und augen eingefallen, die nase spitz und blaß. ich war tief berührt! das also war der tod.

wann immer nun während meines zweimonatigen praktikums menschen starben, durfte ich sie danach von allen schläuchen, pflastern und medizinischen geräten befreien, ihnen die augen schließen, mit feuchten wattebäuschen beschweren, und das nach dem letzten ausatmen herabgesunkene kinn vorsichtg hochbinden.

die angehörigen, die sich von ihren liebsten verabschieden wollten sollten in keine gebrochenen augen und keine geöffneten münder schauen müssen. 

dann kam der zweite und für mich noch weitaus bedeutendere schritt. hatte ich dem tod als tatsache jetzt schon einigemmale begegnen dürfen, so ging es jetzt darum, sterbende menschen, die keine angehörigen mehr hatten, während des sterbevorganges zu begleiten.

da saß ich nun also mit meinen 21 jahren am bett von menschen, die ihren letzten irdischen weg gingen. wer schon einmal eine wachsfigur, so täuschend lebensecht sie auch ausschauen mag, gesehen hat, kann nachvollziehen wie in dem moment, da im letzten ausatmen das leben den körper verlässt, aus einem menschen im bruchteil einer sekunde eine solche wachsgestalt wird.

doch als ich dieses wunder zum ersten male hautnah erleben durfte, das wunder des lebens, das sich aus einem menschlichen körper zurückzieht, da war es ein moment der andacht und tiefster stille.

noch einigemale habe ich in diesen zwei monaten sterbenden menschen bis zum tode beistehen und ihre hand halten dürfen, und immer wieder kam diese andacht, diese stille über mich.

wir werden geboren, wir atmen ein! wir sterben, wir atmen aus! im altindischen im sanskrit heißt die seele -atman- klingt das im indogermanischen nicht wie das deutsche -atmen-?

wir werden geboren, wir sterben, dazwischen ist ganz viel l e b e n .

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LichtSeiten 10 - Thema ENGEL

Lasst Engel sprechen von Renate Schley

Wenn brennende Himmel
den Felsen begegnen
wer wird dann den Engel
des Mondscheins segnen?
Lasst Engel in allen Sprachen
sprechen
und ihre Flügel singen
damit wir Menschen mit ihnen
schwingen.

Copyright: Renate Schley 2017

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Ausgabe 17 - 01.09.2019
Wandel
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Redaktionsschluß
und Anzeigenschluß
am 31.07.2019